Wissenschaftliches Arbeiten - Handreichung

hrsg. von Theo Hug in Zusammenarbeit mit Sonja Ausserer, Karoline Bitschnau, Arthur Drexler, Eva Fleischer, Klaus Niedermair, Michael Nonnato, Britta Elisabeth Suesserott und der Fakultätsstudienleitung

Version: Sommersemester 2006

Fakultät für Bildungswissenschaften

der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Koordination der Handreichung: A. Univ.-Prof. Dr. Theo Hug

Fakultätsstudienleitung: Univ.-Prof. Dr. Josef Ch. Aigner

Alle:

Liebeneggstraße 8

A–6020 Innsbruck

Tel.: +43-(0)512-507-4043

Fax: +43-(0)512-507-2880


3., aktualisierte Auflage, 2011

Die PDF-Datei der 3. Auflage ist ab sofort frei verfügbar. Download hier

Geleitwort

Die Fakultät für Bildungswissenschaften besteht – nach Umsetzung der Neustrukturierung der Leopold-Franzens-Universität (LFU) – seit dem Jahr 2004. Sie umfasst neben dem Institut für Erziehungswissenschaften das Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung und das Institut für Kommunikation im Berufsleben und Psychotherapie. Die Studienrichtungen und Lehrangebote dieser Fakultät umfassen das Diplom- und das künftige Bakkalaureatsstudium Pädagogik bzw. Erziehungswissenschaft, die allgemeinpädagogische Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern und die immer wichtiger werdenden sozialen und kommunikativen Kompetenzen im Umgang mit Menschen. Die einschlägigen Inhalte werden oft wissenschaftlich zu wenig wertgeschätzt oder einem populären alltagstheoretischen Verständnis zugeordnet – nach dem Motto: Von „Erziehung“ oder „Lernen“ versteht jeder und jede oder zumindest schnell jemand etwas. Umso bedeutsamer erscheint es, Studierende dieser Studienrichtungen mit einem fundierten Know-how bzw. Werkzeug wissenschaftlichen Arbeitens auszustatten. Da diese Teile der Lehre in einer Massenstudienrichtung, wie sie z. B. die Pädagogik seit vielen Jahren darstellt, oft zu Versorgungsengpässen Anlass geben, ist es ratsam, sie in neuer, übersichtlicher und schließlich auch über e-Learning zugänglicher Form zur Verfügung zu stellen. Diesem Anliegen hat sich der Koordinator der Studiengebiete Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsforschung und wissenschaftliches Arbeiten, Prof. Dr. Theo Hug, gemeinsam mit einigen Lehrenden gewidmet, die seit mehreren Jahren Einführungen in das wissenschaftliche Arbeiten anbieten. Dafür gebührt ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen der Dank der Fakultätsleitung. Das Engagement und die Unterstützung dieses Projektes auch aus dem Topf der „monetären Leistungsanreize“ der Fakultätsstudienleitung zur Unterstützung alternativer Lehr- und Lernformen sowie zur Verbesserung der Lehre und damit zur Qualitätssicherung soll auch deutlich machen, dass an dieser Fakultät neben dem berechtigten Anliegen zur Verstärkung universitärer Forschung die Bedeutung der Lehre im Sinne der Heranbildung wissenschaftlichen Nachwuchses weiter hochgehalten wird. Die Universität hat eine hohe generationelle Verantwortung für die Hervorbringung ausgezeichneter und kritischer junger WissenschaftlerInnen und Intellektueller, ohne die eine exzellente Zukunft der Universitäten in Sachen Forschung ja gar nicht denkbar ist. Die vorliegende Handreichung bietet eine erste Orientierung zu den wichtigsten Themenbereichen des wissenschaftlichen Arbeitens, über die im Internet auf Kurse und weiterführende Hilfestellungen, auf Literatur sowie auf lehrreiche Übungsaufgaben zugegriffen werden kann. Sie soll schließlich helfen, die ersten meist noch sehr überlaufenen Studiensemester ein wenig leichter bewältigen zu können und ein fundiertes, immer wieder abrufbares Wissen im Bereich der Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens zu sichern.

Mit den besten Wünschen für ein anregendes Studium

Innsbruck, im März 2006

Univ.-Prof. Dr. Josef Christian Aigner

Fakultätsstudienleiter

1. Einleitung

Theo Hug

Die vorliegende Broschüre entstand im Auftrag des Fakultätsstudienleiters und der fakultären Arbeitsgruppe Qualitätssicherung. Wer die gängige Bedeutung von Qualitätssicherung im Unternehmensprozess kennt, wird rasch feststellen, dass es hier weniger um die Sicherung des vorhandenen Qualitätsniveaus wissenschaftlicher Arbeiten am Beispiel dreier Institutsbetriebe geht. Vielmehr geht es um die Schaffung eines gemeinsamen Bezugspunkts und eines hinreichend flexiblen Rahmens, anhand dessen Regeln, Anforderungen und Maßstäbe der Qualität expliziert, reflektiert und variiert werden können. Auch wenn etliche Anregungen sehr konkret sind und manche Empfehlungen ins Detail gehen, wollen wir zur kritischen Reflexion derselben anregen. Mehr noch: Wir wollen Sie damit auch zum Nachdenken über Fragen der Wissenschaftlichkeit im Allgemeinen und über Tendenzen der Kommerzialisierung des Wissens und der ökonomistischen Betrachtung von Wissenschaftsprozessen im Besonderen einladen. Früher kamen die meisten Studierenden direkt von der Schule an die Universität. Heute ist das anders. Manche studieren im zweiten Bildungsweg, viele berufsbegleitend und etliche kommen von Pädagogischen Akademien oder Fachhochschulen an die Universität. In allen Fällen werden am Beginn des Studiums gewisse Vorstellungsbilder mit „Wissenschaft“ sowie mit „wissenschaftlicher Lehre und Forschung“ verbunden. Diese sind jedoch selten angemessen. Häufig ist von „objektivem Wissen“ oder gar von „Wahrheit“ die Rede, viele erwarten nützliche Tipps für die Praxis oder eindeutige und einfache Antworten auf komplexe Probleme unserer Zeit und nicht wenige die „wissenschaftliche Bestätigung“ mitgebrachter Meinungen und Einschätzungen. Hinzu kommen oft Vorstellungen, die die Pädagogik auf Fragen der Kindererziehung und des schulischen Unterrichts reduzieren und die Breite des Faches (s. Hierdeis & Hug 1997) verkennen. Es lohnt sich, wenn Sie sich gleich zu Beginn des Studiums fragen: Was sind meine Erwartungen? Wie soll sich die Lehre an der Universität vom Schulunterricht oder von den Studienangeboten der Fachhochschulen unterscheiden? Welche Inhalte, Methoden und Didaktiken sollen im Vordergrund stehen? Welche Kompetenzen will ich mir aneignen? Was motiviert mich zum Studium und zur Auseinandersetzung mit Theorie? Was brauche ich, um gut lernen zu können? – Wichtig ist, dass Sie zumindest vorläufige Antworten auf diese und ähnliche Fragen haben und dass Sie Ihre Antworten im Kreis von StudienkollegInnen und Lehrenden diskutieren. Umgekehrt hat auch die Institution Erwartungen an Sie. So wird erwartet, dass Sie eine gewisse Studierfähigkeit mitbringen und diese sukzessive weiterentwickeln. Dazu zählen insbesondere ein angemessener schulischer Wissensstand, Lese-, Sprach- und Sprechfähigkeiten, grundlegende Arbeitstechniken, einige personale, soziale und organisatorische Kompetenzen sowie praktische Computerkenntnisse und basale Medienkompetenzen. Die Lehrenden erwarten weiters, dass Sie „Wissensdurst“, Neugier, Ausdauer, Fleiß und Sorgfalt mitbringen und dass Sie bereit sind, sich auf Denkarbeiten und Lernprozesse einzulassen, kleine Projekte durchzuführen und wissenschaftliche Produkte zu schaffen. Kurzum: Die Institution Universität erwartet von Ihnen, dass Sie sich wissenschaftsrelevante Kompetenzen im Umgang mit grundlegenden Arbeitstechniken, Terminologien, Theorien und Methoden aneignen (wollen). Je klarer die Erwartungshaltungen wechselseitig artikuliert sind, desto größer sind die Chancen für gelingende Lernprozesse, Sinn stiftende Tätigkeiten und schöne Studienerfolge. Die Fakultät für Bildungswissenschaften will mit dieser Handreichung zur Klärung grundlegender Erfordernisse des wissenschaftlichen Arbeitens beitragen und Ihnen einen Einstieg in die Thematik bieten. Wenn Sie sich also fragen: „Was macht meine Arbeiten zu wissenschaftlichen Arbeiten?“, dann finden Sie in den nachfolgenden Abschnitten und den weiterführenden Hinweisen zahlreiche Anknüpfungspunkte, die bei der Beantwortung relevant sind. Sie sehen bereits an der Gliederung der Handreichung und an der Unterscheidung einführender und weiterführender Hinweise, dass es hier nicht um ein Set von ein paar Kriterien geht, die in der Einführungsphase einmal gelernt werden und deren Berücksichtigung in der weiteren Folge schon Wissenschaftlichkeit garantiert. Vielmehr geht es um einen Prozess der zunehmenden Ausdifferenzierung, des sukzessiven Kompetenzaufbaus und der Steigerung des Exaktheitsniveaus. Dabei sind inhaltliche und formale Aspekte relevant. Eine thematisch gut fokussierte, gesellschaftlich relevante, theoriehaltige, kreative, innovative und eigenständig durchgeführte Arbeit bleibt eine halbe Sache, wenn die Ergebnisse schlecht präsentiert, Sein- und Sollens-Sätze vermischt, Argumentationen widersprüchlich ausgeführt und formale Standards nicht eingehalten werden. Umgekehrt ist die Einhaltung formaler Standards zwar eine notwendige, aber selbstverständlich keine hinreichende Bedingung für gute wissenschaftliche Arbeit. Genauso wenig reicht es aus, rhetorisch zu glänzen oder tolle PowerPoint-Präsentationen vorzuführen. Die Integration der verschiedenen Dimensionen will gelernt sein, und Sie werden im Laufe des Studiums bald feststellen, dass in den verschiedenen (Teil-)Disziplinen und Studiengebieten auch unterschiedliche Stilprinzipien gepflegt werden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich sowohl auf der Ebene von Projektarbeiten und einzelnen Lehrveranstaltungen als auch im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Abschlussarbeiten mit den Leitungs- bzw. Betreuungspersonen abstimmen und allfällige besondere Anforderungen berücksichtigen. Die Zielsetzung der Handreichung bleibt also nicht auf die Auflistung einiger Kriterien beschränkt, die bei Seminar-, Bakkalaureats- oder Diplomarbeiten zu beachten sind, und die gleichzeitig auch die Beurteilungskriterien ausmachen (s. z. B. Lorenzen 2002). Sie ist breiter angelegt und lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Die Handreichung bietet vor allem für Studierende in niedrigen Semestern eine erste Orientierung und einen Einstieg in die wichtigsten Themenbereiche des wissenschaftlichen Arbeitens. Sie macht deutlich, auf welche Ebenen es bei grundlegenden Qualitätsansprüchen ankommt und dass es in der weiteren Folge um eine kontinuierliche Auseinandersetzung und Kompetenzerweiterung geht. Deshalb enthält sie zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine vertiefende Beschäftigung mit den diversen Teilbereichen. Beachten Sie bitte auch die Online-Informationsquellen und die weiterführenden Literaturhinweise im Anhang.
  • Sie dient der Klärung grundlegender Erfordernisse des wissenschaftlichen Arbeitens im Wissen um die Komplexität und Vielschichtigkeit der Thematik. Sie will entsprechende Diskurse befördern, sie zielt auf eine Balance zwischen praktischen Empfehlungen und konkreten Festlegungen und sie will unnötige Einschränkungen oder unsinnige Normierungen vermeiden. Die AutorInnen gehen davon aus, dass viele Details angesichts institutioneller Entwicklungen, bereichsspezifischer Akzentuierungen und der Vielgestaltigkeit inhaltlicher, formaler, methodischer, rechtlicher, sozialer, personaler, medialer, technischer und organisatorischer Dimensionen eine zeitlich begrenzte Geltung haben oder teilweise auch fallbezogen ausbuchstabiert werden müssen.
  • Die Handreichung berücksichtigt internationale Standards und lokale Traditionen und respektiert gleichzeitig die Freiheit der akademischen Lehre. Sie ist im Sinne eines flexiblen Rahmens gestaltet, der im Detail Spielräume für die Spezifikation von Regeln und Qualitätsmaßstäben lässt. Manche dieser Spezifikationen sind auf Merkblättern zusammengefasst, die in Lehrveranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.
  • Sie ist weiters eine Einladung und eine Ermutigung, sich auf die Prozesse des wissenschaftlichen Arbeitens einzulassen. Sowohl übertriebene Ehrfurcht als auch habitualisierte Respektlosigkeit gegenüber Wissensbeständen oder Lehrenden sind für eine gedeihliche Kompetenzentwicklung nicht sonderlich hilfreich. Es geht vielmehr um die Wertschätzung der eigenen Leistung und des wissenschaftlich Vorgedachten und nicht zuletzt darum, sich in diesem Spannungsfeld immer wieder neu zu verorten und im Prozess des Kompetenzerwerbs nicht nur eifrig und begierig, sondern auch geduldig und mitunter gnädig mit sich selbst und den Lehr- und LernpartnerInnen zu sein.
  • Last but not least zeigt die Handreichung, dass wissenschaftliches Arbeiten Arbeiten bedeutet. Damit sind – wie in anderen Bereichen des Lebens – Höhen und Tiefen, Lust und Frust, Routine und Überraschung, Bereicherung und Desillusionierung verbunden. Wir sehen darin eine lohnende und sinnhafte Tätigkeit, die sich von alltagsweltlichen und künstlerischen Erkenntnisweisen unterscheidet und die neue Einsichten, vertiefte Erkenntnis und erweiterte Handlungsspielräume ermöglicht.

Am Anfang eines Studiums kommen viele verschiedene und nicht nur wissenschaftliche Anforderungen auf Sie zu. Sortieren Sie diese, setzen Sie Akzente und packen Sie eine nach der anderen an. Sie werden schnell erkennen, dass für Behauptungen Belege gefragt sind, dass persönliche Berichte und Erzählungen in der Wissenschaft durchwegs als Gegenstände der Forschung vorkommen und nicht als gemeinhin akzeptierte Darstellungsmodi, und dass Seminararbeiten anders als Besinnungsaufsätze zu gestalten sind. Wenn Sie ein Lerntagebuch oder Portfolios anlegen und Ihre Kompetenzentwicklung entsprechend dokumentieren, werden Sie am Ende des Studiums klar sagen können, was Sie gelernt haben und wo Ihre Stärken liegen. Wenn Sie Fragen haben, dann achten Sie bitte auf die Zuständigkeiten und die diversen Informationsangebote. Die Klärung von Stipendienerfordernissen kann existentiell wichtig sein, sie fällt aber nicht in die Zuständigkeit des wissenschaftlichen Personals; wenn die Online-Anmeldung Schwierigkeiten bereitet, dann fällt das in den Aufgabenbereich des Zentralen Informatikdienstes und nicht in den des Institutssekretariats usw. Wenn Sie sich vor Augen führen, dass alleine das Institut für Erziehungswissenschaften rund 2000 Studierende zu betreuen und zahlreiche Forschungs- und Verwaltungsaufgaben wahrzunehmen hat, dann werden Sie nach einem Blick auf den Personalstand und einer kurzen Überschlagsrechnung verstehen, dass individuelle Anfragen per E-Mail nicht zielführend sind. Analoges gilt für die beiden anderen Institute der Bildungswissenschaftlichen Fakultät. Wenn Sie sich außerdem die strukturellen Unterschiede der Serviceleistungen von Fernuniversitäten zu denen unserer Präsenzuniversität klar machen, dann wird schnell deutlich, dass individuell betreute „e-Learning“-Studien derzeit nicht möglich sind. Nehmen Sie also bitte die Sprechstundenzeiten sowohl des Studiensekretariats als auch der wissenschaftlichen Bediensteten wahr. Angesichts der wechselnden Zuständigkeiten in manchen Bereichen und der zeitlich befristeten Geltung von Regelungen verweisen wir außerdem auf die Informationsquellen im letzten Abschnitt der Handreichung und auf die Angebote der Teletutorien (http://www.uibk.ac.at/ezwi/studium_lehre/ ). Umberto Eco hat eine ermutigende Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten verfasst (s. Eco 1993); an anderer Stelle (1986, S. 18) hat er einen Ausspruch des US-amerikanischen Erfinders Thomas Alva Edison (1847 – 1931) aufgegriffen und sehr zu dessen Verbreitung beigetragen: „Genius is one per cent inspiration, ninety-nine per cent perspiration.“ Wenn Sie in Rechnung stellen, dass auch Ihre erfinderische Schaffenskraft ähnlich strukturiert ist und der Grossteil der Verdichtungsleistungen den Charakter der „Transpiration“ hat, dann haben Sie bereits zu Beginn eine wichtige Lektion gelernt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen aller Mitwirkenden gutes Gelingen bei Ihren wissenschaftlichen Arbeiten.

2. Der Forschungsprozess

Arthur Drexler, Klaus Niedermair und Britta Elisabeth Suesserott

Was ist wissenschaftliche Forschung?

Wissenschaftliche Forschung zielt auf neue Erkenntnisse, auf Erklärungen, Kritik, Prognose, Verstehen, auf Veränderung von Praxis, Vermehrung diverser Kapitalformen. Dabei wird eine Theorie entwickelt, die mehr oder weniger neu ist. Ob eine wissenschaftliche Theorie Qualität hat, hängt vor allem davon ab, ob und wie sie sachlich begründet ist und ob nachvollziehbar ist, auf welchem Wege die Ergebnisse erzielt worden sind. Deshalb achten WissenschaftlerInnen auf klare und verständliche Argumentation und geben auch meistens an, nach welcher Methode1) sie vorgehen. Wissenschaftliche Forschung spielt sich unter sozialen, kulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen ab. Sie ist eine teilweise kritische, in vielen Fällen innovative Antwort auf eine jeweilige historische und gesellschaftliche Situation. Wissenschaftliche Forschung ist eine dynamische Entwicklung, die durch Herausforderungen, Fehlschläge, überraschende Wendungen, Irrwege, Kontroversen und (Teil-)Erfolge gekennzeichnet ist. Wissenschaft ist deshalb ungemein spannend und genau das Richtige für neugierige, kluge und wissensdurstige Persönlichkeiten.

Forschung beginnt mit einer Frage

So verschieden die Forschungsprozesse im Detail sein mögen, es gibt dennoch Gemeinsamkeiten im Hinblick auf Vorgehensweisen und Abläufe. Forschungsprozesse – sofern sie nicht bloß impressionistisch, chaotisch und zufällig, also wissenschaftlich fragwürdig sind – lassen sich auch als lineare oder zyklische Ablaufmodelle darstellen (vgl. Hug 2001, S. 24 ff). Selbstverständlich sind dies idealtypische Modelle, die im konkreten Fall variiert, kombiniert oder auch modifiziert werden. Der Motor eines Forschungsprozesses ist meist ein Rätsel, eine Problemkonstellation oder eine Forschungsfrage, z. B.: „Durch welche Maßnahmen kann der Informationsfluss in einem Betrieb verbessert werden?“ oder „Wie steht es um die Wirksamkeit von digitalen Lernmedien für HauptschülerInnen im Zillertal?“. Tipps, wie man Forschungsfragen entwickelt und eingrenzt, finden Sie im Abschnitt „Themenfindung und Forschungsfragen“.

Stand der Forschung

Die Forschungsfrage ließe sich nun rein spekulativ beantworten: Die Schwäche dieser Vorgehensweise ist jedoch, dass die entstehenden Theorien so nicht sachlich begründbar sind und der Weg zu ihnen unklar bleibt. Deshalb tun WissenschaftlerInnen in dieser Situation genau das, was jeder Mensch sonst auch tut: Sie sehen sich um, ob es bereits Antworten auf ihre Forschungsfrage gibt, also wissenschaftliche Theorien, Konzepte, Ansätze. Zu diesem Zweck wird in Bibliotheken und Datenbanken nach relevanter Literatur gesucht und der Stand der Forschung erkundet. Hinweise zu den Techniken der Literatursuche finden Sie im Abschnitt „Recherchieren, Beschaffen und Archivieren von Literatur“. Achten Sie bei der Recherche jedenfalls auch auf unterschiedliche Text- und Medien-sorten, Gattungen, Genres und Formate. Meldungen aus der Tagespresse, Spielfilme oder Beiträge aus der Ratgeberliteratur haben im Vergleich zu wissenschaftlichen Arbeiten einen anderen Status. Sie erfüllen keine wissenschaftlichen Ansprüche und werden ggf. als Gegenstände kritischer Reflexion und nicht als Belege im Sinne wissenschaftlicher Referenzen verwendet. Die gefundene Literatur wird gesichtet, aufbereitet, ausgewertet, thematisch gebündelt: Das Resultat ist im Idealfall ein Überblick über Theorien und Forschungsergebnisse zum Untersuchungsbereich, dem die Forschungsfrage zuzuordnen ist.

Theoriearbeit oder empirische Arbeit

Spätestens jetzt ist eine Entscheidung zu treffen: Sind die vorgefundenen Theorien ausreichend, um auf ihnen aufbauend eine neue Theorie zu entwickeln, oder nicht? Denn WissenschaftlerInnen kommen grundsätzlich auf zwei Wegen zu neuen Theorien: indem sie sich ausschließlich auf gegebene Theorien beziehen oder indem sie zusätzlich auch empirische Daten2) berücksichtigen, die erhoben, ausgewertet und interpretiert werden. Dementsprechend lassen sich in dieser Hinsicht zwei Typen wissenschaftlicher Forschungsprojekte unterscheiden:

  • die sog. „theoretische Arbeit“ oder „Literaturarbeit“, in der eine Forschungsfrage durch Darstellung, Vergleich und Kritik verschiedener Theorien beantwortet wird; das Spektrum reicht hier vom einfachsten Fall der sog. „kompilatorischen Arbeit“3) über theoretische Essays (vgl. Rentsch & Rohbeck 2002) bis hin zu sehr anspruchsvollen Arbeiten auf der Basis philosophischer Methoden (Wuchterl 1999),
  • und die sog. „empirische Arbeit“, in der zusätzlich empirische Daten (zu subjektiven Einstellungen und Erfahrungen, zu sozialen Prozessen und Phänomenen) erhoben und für die Theoriebildung ausgewertet werden.

Wenn Sie z. B. eine Diplomarbeit schreiben, entscheiden Sie sich in jedem Fall für den einen oder den anderen Typ wissenschaftlicher Forschung. Wie Sie sich entscheiden, hängt in erster Linie von Ihrer Forschungsfrage ab. Und wenn Sie sich entscheiden, auch empirisch zu arbeiten, sind für Sie in jedem Fall die Methoden der Datenerhebung und Datenauswertung von Interesse.

Datenerhebung und Datenauswertung

Eine empirische Forschungsarbeit begnügt sich wie gesagt nicht damit, eine neue Theorie nur auf vorhandene Theorien zu stützen. Sie möchte bewusst Hypothesen oder eine neue Theorie auf der Basis empirischer Daten entwickeln oder anhand empirischer Daten bewähren. Zu diesem Zweck werden Daten mittels Methoden der Befragung, der Beobachtung, der Inhaltsanalyse oder mittels experimenteller Verfahren gesammelt, erhoben, aufbereitet und anschließend ausgewertet. Für die Datenerhebung und Datenauswertung steht eine Reihe von Methoden zur Verfügung. Eine wichtige Unterscheidung ist die in quantitative und qualitative Forschungsmethoden.

Qualitative und quantitative Methoden

Um zu wissen, nach welcher Methode ich empirisch arbeiten soll, muss ich mir überlegen, zu welchem Zweck ich Daten erheben und auswerten möchte, also wozu ich eigentlich empirisch arbeite:

  • Tue ich dies, um neue Hypothesen oder eine neue Theorie zu entwickeln, dann werde ich qualitativ vorgehen, demnach qualitative Methoden verwenden.
  • Arbeite ich hingegen empirisch, um eine Theorie zu bestätigen oder zu widerlegen, dann werde ich im Regelfall quantitativ vorgehen, demnach quantitative Methoden verwenden.

Natürlich gibt es in der Forschungspraxis viele Mischformen und Möglichkeiten der Verknüpfung; aber es ist nützlich, diese Methoden schematisch unterscheiden zu können.

Qualitative Sozialforschung

Qualitative Methoden sind demnach Theorie generierend (erzeugend). Wenn ich z. B. erforschen will, durch welche Maßnahmen der Informationsfluss in einem Betrieb verbessert werden könnte, werde ich zuerst einschlägige Literatur recherchieren (z. B. Fallstudien, kommunikationstheoretische und organisationspsychologische Abhandlungen usw.). Wenn sich dabei keine plausible Theorie finden lässt, werde ich eine qualitative Studie durchführen, d.h. Daten erheben und auswerten, um eine neue Theorie zu entwickeln. In Informations- und Kommunikationsprozessen sind ja primär Menschen beteiligt und betroffen, deshalb werde ich vor allem erforschen, was für die Akteure selbst bedeutsam und wichtig ist. Zu diesem Zweck könnte ich z. B. das Verfahren des narrativen Interviews verwenden, das Ziel besteht dann darin, dass die Interviewten frei und offen über ihre Sichtweisen usw. erzählen. Anschließend werden die Daten ausgewertet, z. B. nach der Methode der Grounded Theory, d.h. vorkommende Themen werden kodiert, übersichtlich dargestellt und in Beziehung gesetzt: Meistens ergibt sich dann eine neue Theorie „wie von selbst“. In unserem Beispiel könnte man vielleicht zur Hypothese gelangen, dass es für den innerbetrieblichen Informationsfluss förderlich ist, wenn die Mitarbeiter regelmäßig Gelegenheiten des informellen Kommunikationsaustausches wahrnehmen. Um die Qualität einer solchen Hypothese zu sichern, muss vor allem der Prozess der Theoriebildung intersubjektiv nachvollziehbar sein: Es muss klar und transparent sein, welche Methode verwendet wurde und welches theoretische Vorwissen eine Rolle gespielt hat – Theorien dürfen ja nicht willkürlich sein. Dies wird vor allem durch methodologische Reflexion des Forschungsprozesses und der Forschungsergebnisse sicher gestellt. Im Sinne der Qualitätssicherung ist darüber hinaus natürlich wichtig, dass sich die Theorie bewährt. Eine Theorie kann sich z. B. in dem Praxisfeld bewähren, für das sie entwickelt wurde. Diese Form wird als Handlungsforschung (Action Research) bezeichnet: Theorien werden in direkter Zusammenarbeit mit den Akteuren entwickelt, mit ihnen in die Praxis umgesetzt, evaluiert und verändert. Für diese Praxisforschungsprojekte sind anwendungsorientierte Entwicklungen und Konzeptions-, Anwendungs- und Reflexionsschleifen zentral. Z. B. könnten in einem Betrieb Formen der informellen Kommunikation mit den betroffenen Mitarbeitern praktisch umgesetzt, reflektiert und wissenschaftlich begleitet werden. Eine Theorie bewährt sich dann, wenn sich die gewünschten Veränderungen in der Praxis zeigen. Die Bewährung der Hypothese kann auch erfolgen, indem man sie zu verallgemeinern versucht. Eine Hypothese wird ja vorerst auf der Basis von Einzelfällen angenommen, in unserem Beispiel waren dies Interviews mit einigen Mitarbeitern in einem Betrieb. Nun kann getestet werden, ob die Theorie auch auf andere Fälle anwendbar ist (auf andere Betriebe und andere Mitarbeiter), ob sie also verallgemeinert werden kann, was natürlich den Wert dieser Theorie erhöhen würde: Genau dazu einigen sich nun die quantitativen Verfahren.

Quantitative Sozialforschung

Quantitative Methoden (vgl. Denz & Mayer 2001) sind demnach Theorie prüfend. Wenn ich Daten quantitativ erhebe und auswerte, möchte ich eine Hypothese, die für eine Gesamtheit (z. B. für alle Betriebe) angenommen wird, bestätigen oder widerlegen, verifizieren oder falsifizieren, bewähren. In manchen Fällen ist die fragliche Hypothese das Resultat einer vorhergehenden qualitativen Studie, das ist das Beispiel: Informelle Kommunikation optimiert den Informationsfluss. In anderen Fällen wird sie auf der Grundlage des recherchierten und gesammelten bisherigen Wissens entwickelt, Beispiel: Kommunikationstraining optimiert den Informationsfluss. Diese Hypothesen bewähren sich dann, wenn ich mit ihrer Hilfe die soziale Wirklichkeit erklären, prognostizieren oder auch verändern kann. Wenn sich tatsächlich in einem Betrieb der Informationsfluss verbessert und wenn tatsächlich ein Kommunikationstraining stattgefunden hat, dann kann ich den verbesserten Informationsfluss mit dem erfolgten Training erklären: Die Hypothese ist also verifiziert. Um eine Hypothese zu bestätigen, kann auch ein Experiment durchgeführt werden. Wenn ich den Informationsfluss verändern will, dann kann ich aufgrund der Hypothese annehmen, dass sich Kommunikationstraining diesbezüglich positiv auswirken wird, also entsprechende Maßnahmen versuchen. Zuvor müssen die Begriffe operationalisiert, d.h. in quantifizierbare Merkmale übersetzt werden, dann werden die entsprechenden Messwerte erhoben und statistisch ausgewertet. So wird z. B. der Informationsfluss im Betrieb vor dem Trainingsprogramm und nach dem Trainingsprogramm entsprechend den quantifizierbaren Merkmalen erhoben und man überprüft nach der Auswertung der Daten, ob sich am Ende eine deutliche Verbesserung des Informationsflusses zeigt oder nicht. Eine Verbesserung würde für die Wirksamkeit des Trainings sprechen und mithin die Hypothese erhärten. Für die Qualitätssicherung einer wissenschaftlichen Theorie aus der Sicht der quantitativen Sozialforschung ist demnach die Überprüfbarkeit von Hypothesen entscheidend: Da die Begriffe, die in einer Hypothese vorkommen, meist theoretische Konstrukte sind (man denke z. B. an den Begriff der Intelligenz), müssen sie operationalisierbar und quantifizierbar sein, damit die Hypothese empirisch überprüft werden kann. Wie die Forscherin zu den Hypothesen gekommen ist, interessiert aus Sicht der quantitativen Sozialforschung weniger, das ist wie gesagt die Baustelle der qualitativen Sozialforschung.

Mischvarianten

Die empirische Sozialforschung ist also in methodischer Hinsicht durch eine Arbeitsteilung gekennzeichnet, in der beide Methoden, die qualitative und die quantitative, gut zusammenspielen können. Im Zuge einer Studie können qualitativ wie quantitativ orientierte Methoden zum Einsatz kommen, da sie sich gegenseitig ergänzen: Sie bieten einerseits einen facettenreichen Einblick in Bedürfnisse, Prozesse, Einstellungen, Fähigkeiten, Erwartungen etc., die für Individuen in ihren Lebenswelten bedeutsam sind; sie geben andererseits klar strukturierte, verallgemeinerte Aussagen über Gruppen, soziale Prozesse und Strukturen; sie verbinden dichte qualitative Beschreibungen mit allgemeinen quantitativen Erklärungen der sozialen Wirklichkeiten (vgl. Garz u.a. 1991, Spindler 1991, S. 51 ff).

Last but not least: Publikation von Forschungsergebnissen

Die Resultate eines Forschungsprojektes werden in Form von Publikationen in wissenschaftlichen Journalen und Büchern öffentlich zugänglich gemacht. Für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse haben sich in der Welt der Wissenschaft unterschiedliche Medien- und Textsorten etabliert: Bücher, Zeitschriftenartikel, aber auch universitäre Abschlussarbeiten (s. dazu den Abschnitt „Typen wissenschaftlicher Arbeiten“). Dabei gibt es eine Reihe von Richtlinien und Standards, wie wissenschaftliche Arbeiten aussehen sollen (s. „Formale Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten“), besonders wichtig ist dabei, dass Inhalte, die aus anderen Publikationen übernommen werden, korrekt zitiert werden (s. „Richtig zitieren“). Zum Forschungsprozess gehören nicht zuletzt auch die Präsentation und Diskussion der Forschungsergebnisse in der Fachwelt, in der sog. scientific community, bei Tagungen, Kongressen, aber auch in Lehrveranstaltungen (s. „Zur Gestaltung von LV-Beiträgen“).

3. Themenfindung und Forschungsfragen

Britta Elisabeth Suesserott und Karoline Bitschnau

Forschen bedeutet eine spezifische Form menschlichen Handelns für die Gesellschaft, eine Institution, eine Interessensgruppe oder auch die eigene Karriere. Dieses unterliegt unterschiedlichen Prozessen, die uns motivieren, für uns handlungsrelevante Schritte zu machen. Am Beginn jeder wissenschaftlichen Bemühung sollte die persönliche Motivation vor manchmal doch umfangreichen Folgeschritten geklärt werden: Von der Themenwahl bis zur Niederschrift gilt es, so manche Hürde zu nehmen. Lassen Sie sich nun inspirieren:

Vier Regeln

Umberto Eco (1993, S. 14f) formuliert vier Regeln, die den Start und den Fortgang wissenschaftlicher Arbeit erleichtern können.

  1. Interesse des/der Schreibenden deckt sich mit dem gewählten Thema
  2. Quellen müssen zugänglich sein
  3. Korrekter Umgang mit diesen Quellen
  4. Methodische Ansprüche, die an die Forschungsarbeit gestellt werden, müssen von der/dem Forschenden reflektiert und in abschätzbarem Zeitrahmen leistbar sein.

Formulieren von Forschungsfragen

Was führt mich zu relevanten, aktuellen, forschungsleitenden Fragen? Karmasin und Ribing (2002, S. 16 f) führen fünf Grundtypen von Fragestellungen an:

  1. Beschreibung: Was umfasst das Phänomen in einem spezifischen Kontext?
  2. Wie stellt sich „soziale Realität“ für den/die ForscherIn dar?
  3. Erklärung: Warum erscheint der Gegenstand in diesem Ausdruck?
  4. Prognose: Welche Entwicklung, mögliche Veränderung zeichnet sich ab?
  5. Gestaltung: Gibt es geeignete Maßnahmen für bestimmte Ziele?
  6. Kritik/Bewertung: Wie ist ein bestimmtes Phänomen zu bewerten?

W-Fragen (Was? Wie? Warum? Wozu?) helfen bei der Themeneingrenzung und bei der folgenden Recherche in Bibliotheken realer und virtueller Art (vgl. Rückriem, Stary & Frank 1997, S. 216 ff, Junne 1986, S. 61 f, Bünting, Bitterlich & Pospiech 1999, S.81f).

Erstellen Sie sich ihren persönlichen Leitfaden. Dieser könnte eine Auswahl folgender Fragen in den Vordergrund rücken und Ihnen helfen, nach Phasen des Lesens – Fragens – Einordnens – Diskutierens einen Forschungsplan (Exposé) zu erstellen (vgl. Stary & Kretschmer 1999, S. 14 f). Im Allgemeinen stehen am Anfang mehrere Ideen, von denen Sie sich für eine entscheiden (müssen). Der Weg führt dann weiter von der Idee zum Thema und zu zentralen Forschungsfragen, die in der weiteren Folge in Teilfragen gegliedert werden. Zudem beachten Sie bitte die jeweils aktuellen Forschungsinteressen und -vorhaben der Fakultät. Vielleicht können Sie sich da orientieren, ihre Fragen sinnvoll strukturieren und im Netz der Forschungsbemühungen wertvolle Beiträge leisten. Wissenschaft in ihrer historischen Tradition sollte sich von anderen kulturellen Kompetenzen abheben; sie kann diese jedoch untersuchen, beschreiben, erklären. Wissenschaft untersucht kulturelle Regeln, Interaktionsmuster, Konfliktdynamiken, Meinungen, Interessenslagen, Machtverhältnisse etc.; dabei vertritt sie im Allgemeinen die untersuchten Standpunkte nicht selbst. Dafür stehen dann die ExpertInnen zur Verfügung, die wissenschaftliche Ergebnisse aufgreifen, sich – hoffentlich – sorgfältig informieren und diese dann für die Menschen und ihre Einrichtungen im Alltag zur Verfügung stellen (Wissenstransfer). Verwissenschaftlichung des Alltags soll aber nicht mit dem Betreiben von Wissenschaft verwechselt werden. Letzteres erfordert erhebliches Vorwissen, Denkleistungen und handwerkliches Know-how! Georg Rückriem, Joachim Stary und Norbert Frank (1997) geben dazu eine fundierte Anleitung und sprechen von „Technik wissenschaftlichen Arbeitens“. Exemplarisch könnten folgende Fragen Ihren Blick schärfen, die Basis für weitere wissenschaftliche Vorgangsweisen herstellen und Ihnen manche Sackgasse ersparen:

  • Hat mich in letzter Zeit etwas irritiert, fasziniert, verwirrt?
  • Worüber bin ich traurig, wütend, erfreut, geängstigt, zufrieden, besorgt usw.?
  • Was genau möchte ich in diesem Zusammenhang wissen?
  • Aus wessen Sicht, Standpunkt, Position heraus möchte ich wissenschaftliche Aussagen tätigen?
  • Welche Informationen fehlen mir, um meine Fragen eingrenzen zu können?
  • Welche Dinge, soziale Phänomene erscheinen gegenwärtig anders als früher?
  • Wie werden sich Sachverhalte, Menschen in der und für die Zukunft verändern?
  • Was ist für wen in der konkreten Lebenswelt verloren gegangen, gewonnen, erstrebenswert?
  • Gibt es soziales Miteinander, wie halte ich das fest, was ist dabei gewonnen?
  • Welches Wissen könnte ich anderen zur Verfügung stellen?
  • Welche Ereignisse prägen den spezifischen Alltag hemmend oder fördernd?
  • Würde ich gerne Arbeitsabläufe beobachten?
  • Welche sozialen, sonstigen Einrichtungen oder Organisationen wecken mein Interesse?
  • Was habe ich bisher gelesen, gehört, gedacht? Finden sich verwirrende Aspekte?
  • Wie hat sich das Erleben oder das Verhalten von Männern bzw. Frauen oder Kindern in ihren diversen Rollen verändert?
  • Woran glauben Kinder, Frauen, Männer, soziale Rollenträger?
  • Stimmen meine Erwartungen mit dem überein, was ich wahrnehmen kann?

Beginnen Sie zu schreiben und halten Sie Ihren persönlichen Forschungsprozess fest. Die Themeneingrenzung lässt sich auch durch unterschiedliche Schreibstrategien herbeiführen: kreatives Schreiben, Mindmapping usf. Beachten Sie fortwährend die wichtigen Funktionen des Schreib- und Forschungsprozesses: Aufbewahren, Sammeln, Darstellen, Systematisieren. Ihr stets sich erweiterndes Wissen können Sie so dokumentieren. Erstellen Sie Kataloge, Stichwortlisten, Karteikärtchen usf. Otto Kruse wird Ihnen mit seinen Erfahrungen ein guter Wegbegleiter sein (vgl. Kruse 2001, S. 11- 28).

4. Recherchieren, Beschaffen, Lesen und Archivieren von Literatur

Klaus Niedermair

Eine wissenschaftliche Arbeit beruht immer auch auf Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur. Das gilt sowohl für die Theoriearbeit, in der neue Erkenntnisse nur auf der Basis vorhandener Theorien gewonnen werden, als auch für eine empirische Arbeit, in der zusätzlich empirische Daten für die Theoriebildung erhoben und ausgewertet werden. Insofern ist die Literatur, die berücksichtigt und eingearbeitet wird, entscheidend für die Ergebnisse und für die Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit. Wie viel Literatur berücksichtigt wird und wie flächendeckend eine Literatursuche sein soll, hängt vom Anspruch der Arbeit ab: So wird z. B. eine Diplomarbeit einen repräsentativen Querschnitt der Literatur zu einem Thema referieren, in einer Dissertation sollte die Literatur eher vollständig berücksichtigt werden. In jedem Fall kann eine wissenschaftliche Arbeit nicht nur auf Zufallstreffern aufbauen. Eine effiziente Literaturrecherche trägt wesentlich zur Qualitätssicherung von Forschung bei. Wie für die Wissenschaft im Allgemeinen sollte das Prinzip der methodischen Vorgehensweise deshalb auch für die Literatursuche gelten: Diese sollte strategisch geplant werden, klar und nachvollziehbar sein. Um nicht einfach ziellos irgendwas irgendwie irgendwo zu suchen, ist es also wichtig, das Was, Wie und Wo der Suche zu konkretisieren. In Ihrem Studium gibt es für Sie mindestens zwei Situationen, in denen eine Literatursuche erforderlich wird:

  1. Sie schreiben an einer wissenschaftlichen Arbeit (an einer Seminar-, Diplomarbeit oder Dissertation) oder Sie bereiten ein Referat vor und sollten auch die für das Thema relevante wissenschaftliche Literatur recherchieren: In diesem Fall machen Sie eine thematische Literatursuche (vgl. Morton 1999, ULB Münster o.J.).
  2. Wenn Sie bereits über bibliografische Angaben verfügen, die Ihnen beispielsweise ein Lehrender genannt hat oder die Sie aus dem Literaturverzeichnis einer Publikation entnehmen, dann wollen Sie wissen, wo und wie Sie sich das Buch oder den Artikel beschaffen, also es entweder in einer Bibliothek ausleihen, aus dem Internet downloaden oder kaufen können: Zu diesem Zweck führen Sie eine formale, bibliografische Suche durch.

Suchstrategie 1: Was suche ich?

Zuerst verschaffen Sie sich Klarheit darüber, was Sie suchen, indem Sie Suchbegriffe definieren. Bei der bibliografischen Suche haben Sie bereits Angaben, z. B. Autor, Titel, Zeitschrift, Verlag oder Erscheinungsjahr, die Sie als Suchbegriffe verwenden können. Die thematische Literaturrecherche hingegen ist etwas anspruchsvoller, denn meistens geht es auch noch um die Präzisierung der Themenstellung. Eine erste Informationsquelle sind Nachschlagewerke, Handbücher, Lexika: Gehen Sie die relevanten Stichwörter durch, Sie finden dort meist auch weiterführende Literatur. Auch Lehrbücher eignen sich durchaus als Einstieg in einen neuen Themenbereich. Darüber hinaus können Sie im Internet mit einer Suchmaschine versuchen, einen Schuss ins Blaue abzugeben: Für eine grobe Orientierung darüber, ob die Forschungsfrage in der Literatur behandelt wird, ist dies hilfreich. Dann können Sie – je nach Anspruch – gezielter vorgehen:

  • 1. Zuerst machen Sie eine Themenanalyse, dabei werden aus den Themen die Kernbegriffe für Ihre Suche gewonnen. Mit welchen Suchbegriffen kann ich das, was ich suche, finden?
    • Analysieren Sie den Themenbereich Ihrer Forschungsfrage, unterscheiden Sie evtl. die wichtigsten Themen (topics, subjects). Lassen Sie dabei aber Begriffe wie „Untersuchung”, „Konzept” usw. weg.
    • Ordnen Sie den Themen Suchbegriffe zu, wobei die Begriffe, welche die Themen bezeichnen, meist identisch mit den Suchbegriffen sind.
    • Bsp.: Der Themenbereich „Das Konzept der kritischen Medienkompetenz bei Dieter Baacke“ lässt sich differenzieren in die Themen (und Suchbegriffe): Kritische Medienkompetenz Dieter Baacke
  • 2. Dann sollten Sie versuchen, das Suchvokabular zu erweitern. Mit welchen Suchbegriffen kann ich das, was ich suche, auch finden?
    • Ergänzen Sie die Kern-Suchbegriffe mit alternativen Suchbegriffen (synonyme, verwandte Begriffe, Unterbegriffe, ggf. Oberbegriffe und ggf. englische Begriffe); diese finden Sie in Nachschlagewerken oder in einem sog. Thesaurus. (Ein Thesaurus enthält die Terminologie eines Wissensbereiches, also eine Liste von Begriffen, wobei zu jedem Begriff auch Synonyme, Ober- und Unterbegriffe angeführt sind.)
    • Wenn Sie ein visueller Typ sind, skizzieren sie am besten ein Begriffsnetz des Suchvokabulars.
    • Kritische Medienkompetenz Dieter Baacke (die Kern-Suchbegriffe)

reflexiv kritische Medienkompetenz Baacke Dieter (das alternative Suchvokabular) media literacy media competence

Suchstrategie 2: Wie suche ich?

Dann überlegen Sie, wie Ihre Suchanfrage aussehen soll, d.h. wie die Suchbegriffe kombiniert werden, um eine optimale Treffermenge zu erzielen. Dies gilt vor allem für die thematische Suche, wobei es ein paar einfache Regeln gibt:

  • Verknüpfen Sie die Kern-Suchbegriffe mit dem logischen Operator AND:

(„Kritische Medienkompetenz“) AND („Dieter Baacke“) Wenn Sie noch ein wenig Mengenlehre in Erinnerung haben, verstehen Sie, was mit AND passiert: Gefunden wird die Menge aller Dokumente, die sowohl den Suchbegriff „Kritische Medienkompetenz“ als auch den Suchbegriff „Dieter Baacke“ enthalten.

  • Verknüpfen Sie zusätzlich jeweils die alternativen Suchbegriffe mit dem logischen Operator OR:

(„Kritische* Medienkompetenz*“ OR „reflexiv kritische Medienkompetenz“ OR „media literacy“ OR „media competence“) AND („Dieter Baacke“ OR „Baacke Dieter“) Wenn Sie beispielsweise nach „Medienkompetenz OR Baacke“ suchen, finden Sie die Menge jener Dokumente, die entweder „Medienkompetenz“ oder „Baacke“ enthält oder beides.

  • Mit OR verbundene Suchbegriffe sind zwischen Klammern zu stellen.
  • Besteht ein Suchbegriff aus mehreren Wörtern, so ist er in Anführungszeichen zu setzen (Phrasensuche).
  • Wenn Sie mehrere grammatikalische Endungen berücksichtigen wollen, verwenden Sie die sog. Trunkierzeichen * oder ?. Mit „refle*“ oder „refle?“ finden z. B.: Reflexion, reflexiv, reflexiver, reflektorisch usw.

Mit diesem Suchstring können Sie in den meisten bibliografischen Datenbanken suchen, aber auch in den Internet-Suchmaschinen: Testen Sie deshalb diese Suchkette z. B. in Google. Nebenbei: Wenn Sie die Suchbegriffe ohne Operatoren eingeben, so wird dies von den Suchmaschinen meist als AND-Verknüpfung verarbeitet. Bei der formalen Suche sind Ihnen wie gesagt die bibliografischen Angaben der gesuchten Publikation ganz oder teilweise bekannt. Abgesehen von den logischen Operatoren, mit denen Sie die Suchbegriffe verknüpfen, sind hier noch ein paar Tipps hilfreich:

  • Die Sucheingabe sollte so erfolgen, dass Sie mit einem Minimum an Suchbegriffen ein Maximum an Treffsicherheit erzielen. Geben Sie nicht alle Ihnen verfügbaren Angaben ein, denn Sie laufen sonst Gefahr, das Buch wegen eines Tippfehlers überhaupt nicht zu finden. Sollte die Treffermenge zu groß sein, können Sie immer noch durch zusätzliche Suchbegriffe einschränken
  • Meistens findet man ein Buch am besten, wenn man den Nachnamen des Autors bzw. Herausgebers und ein markantes Stichwort aus dem Titel eingibt.
  • Verwenden Sie keine Artikel, Präpositionen, Pronomina, auch keine zu allgemeinen Begriffe – außer bei der Phrasensuche.
  • Ein OPAC (Online Public Access Catalogue) ist nicht case-sensitive, d.h. Groß- und Kleinschreibung macht keinen Unterschied.
  • Der OPAC ist aber „sensitiv“ bei grammatikalischen Endungen: Wenn Sie „Erziehungswissenschaft“ suchen, finden Sie einen Titel, der nur „Erziehungswissenschaften“ enthält, nicht, wohl aber wenn Sie „Erziehungswiss?“ oder „Erziehungswissenschaft*“ eingeben

Suchstrategie 3: Wo suche ich?

Die Frage, wo und d.h. in welcher Datenbank die Suche erfolgen soll, hängt primär davon ab,

  • nach welchen Publikationstypen Sie suchen wollen: Bücher und/oder Artikel aus Zeitschriften bzw. Sammelbänden und/oder Internet-Dokumente;
  • dann aber zweitens davon, in welcher Sprache die Publikationen geschrieben sein können;
  • und drittens vom gewünschten Erscheinungszeitraum.

Grundsätzlich werden in der wissenschaftlichen Literatur Bücher (Monografien) und Artikel (Aufsätze, Papers) unterschieden. Bücher beschreiben weitgehend akzeptierte und längerfristig gültige Theorien und Konzepte. Artikel weisen im Durchschnitt eine Länge von 10 bis 20 Seiten auf und behandeln ein aktuelles Forschungsthema. Sie sind vor allem wichtig, um aktuelle Arbeiten und Trends herauszufinden.

  • 1.Wenn Sie nach Büchern suchen, merken Sie sich am besten die folgenden Online-Kataloge:
    • ALEPH, wenn Sie wissen wollen, ob das Buch an der Universität Innsbruck oder an einer Universitätsbibliothek in Österreich vorhanden ist. http://aleph.uibk.ac.at
    • KVK, wenn Sie die Frage stellen, ob es das Buch überhaupt irgendwo gibt: Mit dem Karlsruher Virtuellen Katalog können Sie mit einer Sucheingabe gleichzeitig weltweit in verschiedenen Katalogen suchen. http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html
    • Amazon, wenn Sie wissen wollen, ob das Buch noch im Buchhandel erhältlich ist. http://www.amazon.de
  • 2.Bei Artikeln in Zeitschriften oder Sammelbänden ist die Situation etwas komplexer: Diese finden Sie nicht in den Online-Katalogen, sondern in Datenbanken. Mit „Datenbank“ sind dabei sowohl die sog. Referenzdatenbanken gemeint (diese enthalten nur die bibliografischen Informationen über die Publikation) als auch die sog. Volltextdatenbanken (diese enthalten neben bibliografischen Informationen auch die Publikation als pdf-Datei). Da die Datenbanken zumeist sehr teuer sind, können Sie diese nur im Campus der Universität Innsbruck benutzen (außer Sie haben sich einen sog. VPN-Zugang eingerichtet). Beispiele von Datenbanken:
  • 3.Die Suche nach wissenschaftlichen Publikationen im Internet (mittels der sog. Suchmaschinen) ist ertragreicher als oft angenommen. Viele WissenschaftlerInnen stellen ihre Veröffentlichungen teilweise frei zugänglich ins Netz. Neben den gängigen Suchmaschinen gibt es einige, die sich speziell auf wissenschaftliche Arbeiten beschränken, z. B.:

Beschaffung der Literatur

Wenn Sie nun den Nachweis einer Publikation in einem Online-Katalog oder in einer Datenbank gefunden haben, ist es damit noch nicht getan. Zuerst müssen Sie prüfen, ob der Treffer für Ihre Forschungsfrage relevant ist: Bei einem Buch sollten Sie zumindest einen Blick hineinwerfen; bei Artikeln geben Ihnen sog. Abstracts in den Datenbanken Aufschluss über Thema, Forschungsfrage, Methoden und Ergebnisse des wissenschaftlichen Projektes. Und dann müssen Sie natürlich das Dokument selbst besorgen. Nur bei den Volltextdatenbanken (wie Academic Search Elite) oder bei vielen Internetquellen haben Sie gleichzeitig auch das Dokument (den Volltext) selbst verfügbar. In allen anderen Fällen gehen sie nach der folgenden Checklist vor:

  • 1.Bei Büchern, die Sie in einem Online-Katalog gefunden haben, gibt es immer eine Standortbezeichnung:
    • Sollte das Buch innerhalb der Universität Innsbruck vorhanden sein, können Sie das Buch über ALEPH bestellen (Magazinsbestand) oder selbst aus dem Regal holen (Freihandbereich). Details zu den Standorten finden Sie auf den Web-Seiten der Bibliotheken.
    • Ist das Buch nicht innerhalb der Universität Innsbruck vorhanden, können Sie es über Fernleihe bestellen.
    • Natürlich können Sie auch das Buch selbst kaufen. Vergewissern Sie sich vorher in Amazon, ob es noch über den Buchhandel erhältlich ist.
  • 2.Bei Artikeln gibt es mehrere Wege, um zum Dokument zu kommen:
    • Sie haben in einer Volltextdatenbank oder im Internet recherchiert: Das ist der optimale Fall, der Text ist at your fingertips verfügbar.
    • Wenn nicht: Dann prüfen Sie in der EZB (Elektronische Zeitschriftenbibliothek) nach, ob die Zeitschrift, in der der Artikel erschienen ist, online zugänglich ist: Das ist bei sehr vielen englischsprachigen Zeitschriften, welche die Universitätsbibliothek abonniert hat, der Fall. http://www.bibliothek.uni-regensburg.de/ezeit/fl.phtml?bibid=UBI
    • Prüfen sollte man auch, ob der Artikel frei im Internet aufliegt: Zu diesem Zweck geben Sie den Titel des Artikels unter Anführungszeichen (Phrasensuche) in eine Suchmaschine ein.
    • Oder Sie schauen in ALEPH nach, ob die Zeitschrift und der entsprechende Jahrgang an einer Bibliothek der Universitätsbibliothek vorhanden ist: Sind Sie fündig geworden, können Sie dort den Band ausleihen bzw. den Artikel kopieren.
    • Wenn dies alles nicht zielführend war, gibt es als letzte Möglichkeit die Fernleihe. Fernleihbestellungen über die UB können Sie direkt über ALEPH machen. Alternativ gibt es auch den Document Delivery Service Subito http://www.subito-doc.de, Sie bekommen den Artikel innerhalb von zwei Tagen als Datei über E-Mail geschickt, Kosten derzeit 5 EUR pro Artikel.

Ein paar Tipps zum Lesen

Das Resultat der Literaturrecherche ist eine Leseliste, die alle Bücher und Artikel enthält, die Sie in der Literaturrecherche gefunden und als relevant befunden haben – und jetzt auch lesen sollten. Lesen ist eine der Kernkompetenzen des wissenschaftlichen Arbeitens. Wissenschaftliche Texte gelten nicht gerade als spannend, interessant und leicht verständlich. Im Unterschied zu alltäglicher Lektüre fehlt oft die Lust am Lesen. Studierende lesen viel zu oft nur, weil sie lesen müssen. Deshalb Tipp 1: Um gewinnbringend zu lesen, sollte man an eigene Interessen anknüpfen und sich bewusst aktiv mit dem Text auseinandersetzen. Neugier, Eigeninteresse und Begeisterung verleihen Flügel. Zudem ist die Kluft zwischen dem eigenen Vorverständnis und der Begrifflichkeit des Textes oft recht groß, die Lektüre entsprechend mühsam und ohne Lexikon nicht zu bewältigen. Wie kann ich damit umgehen? Indem ich einerseits durchaus meinen eigenen Standpunkt einnehme, auch wenn ich noch nicht alles verstehe; mich andererseits aber auch auf die fremde, unverständliche Welt des Textes einlasse, denn Fremdes bedeutet Herausforderung, Veränderung, Entwicklung, Lernen. Einerseits kann ich mir als autonomes Subjekt ohne weiteres über alles ein eigenes Urteil zutrauen; andererseits sollte ich einen Text respektieren, obwohl ich ihn noch nicht ganz verstehe. So erweitere ich mein Wissen und meine Kompetenzen, und der hermeneutische Zirkel zwischen Vorverständnis und Textverstehen wird für mich ein fruchtbarer Lernprozess. Es gibt verschiedene Lesetechniken, z. B. die SQ3R-Methode, d.h. Survey, Question, Read, Recite, Review, oder die PQ4R-Methode, d.h. Preview, Question, Read, Reflect, Recite, Review (vgl. Stary & Kretschmer 2000, S. 59ff). Gemeinsam ist ihnen das Ziel, die eigenaktive Auseinandersetzung mit dem Text zu fördern, insbesondere:

  • Überblick verschaffen (Titel, Klappentext, Inhaltsverzeichnis).
  • Fragen an den Text formulieren.
  • Unterstreichen: erst nachdem man den ganzen Text gelesen hat; und nicht zu viel unterstreichen.
  • Randnotizen: den Absätzen Begriffe zuordnen, die später für die Orientierung im Text hilfreich sind; dem argumentativen Aufbau des Textes nachspüren: Gute Texte haben einen klaren logischen Aufbau; erkennt man diesen, versteht man meist den Text.
  • Exzerpieren: ist die intensivste Form der Textbearbeitung, der Text wird in eigenen Worten wiederholt, reflektiert, auf das eigene Vorverständnis zurückgespielt; dabei werden Querverbindungen zu anderen Autoren hergestellt – dies ist schon die Vorstufe einer eigenen wissenschaftlichen Arbeit.
  • Visualisieren: ist eine sehr effiziente Form der Aneignung von Inhalten, besondern für visuell orientierte Leser. Abstrakte Zusammenhänge gewinnen, wenn man sie in Bilder übersetzt, viel an Verständlichkeit.

Archivieren und Dokumentieren

Es gibt mehrere Verfahren, wie Sie Literatur archivieren und dokumentieren können: z. B. mit einer einfachen Textdatei, in der Sie Ihre Literatur verzeichnen, mit einem herkömmlichen Karteisystem (Zettelkasten) oder mit einem komplexen Literaturverwaltungsprogramm, was natürlich die eleganteste Lösung ist. Wie immer Ihr Arbeitsstil aussehen mag, ob Sie im fruchtbaren Chaos Ihre Ideen entwickeln oder in Kleinarbeit Details sammeln und aufzeichnen und damit Ihre Kreativität beflügeln, die Frage der Archivierung und Dokumentation der Literatur, mit der Sie arbeiten, stellt sich in jedem Fall. Spätestens wenn Sie für Ihre Diplomarbeit ein Literaturverzeichnis erstellen müssen und dafür die bibliografischen Daten benötigen, erkennen Sie die Wichtigkeit dieser Nebenjobs des wissenschaftlichen Arbeitens. Denn es kommt nicht selten vor, dass Studierende, nachdem sie die Diplomarbeit fertig haben, in die Bibliothek kommen, um nachträglich noch schnell einige bibliografische Angaben zu recherchieren, die ihnen fehlen – die sie vorher nicht dokumentiert haben. Die einfachste Form der Dokumentation ist wie gesagt eine Datei. In dieser legen Sie Ihre Leseliste ab. Ein Tipp: Erfassen Sie alle Einträge bereits hier gemäß den Zitierregeln, die Sie in Ihrer Arbeit verwenden werden. Diese Leseliste werden Sie sukzessive verändern, mit neuen Einträgen ergänzen, einige werden Sie löschen – aber am Ende können Sie diese Liste einfach als Literaturverzeichnis Ihrer Arbeit verwenden. Diese Vorgehensweise ist ausreichend, vor allem dann, wenn Sie nicht vorhaben, Ihre wissenschaftliche Karriere nach Abschluss der Diplomarbeit fortzusetzen, oder wenn Sie eher nicht der „Sammler“-Typ sind oder insgesamt mit wenig Literatur auskommen. Trifft dies nicht ganz zu, dann lohnt sich auf jeden Fall die Mühe, ein Literaturverwaltungsprogramm zu verwenden und sukzessive einen Fundus „Ihrer“ Literatur aufzubauen. Hinweise zu verschiedenen Softwareprodukten finden Sie im Literaturverzeichnis. Mit Ihrer wachsenden Wissensdatenbank – bestehend aus bibliografischen Angaben, Links, Volltexten, Exzerpten, Notizen und Anmerkungen sowie internen Verlinkungen – archivieren und dokumentieren Sie gleichzeitig die Welt der Wissenschaft, in der Sie leben, also Ihre wissenschaftliche Wirklichkeit.

5. Typen wissenschaftlicher Arbeiten

Michael Nonnato

Schreiben ist eine Kernkompetenz wissenschaftlichen Arbeitens, weil sich über das Schreiben Ordnungen und Denkstrukturen bilden. Als Schreibende sind wir gezwungen, unsere Gedanken zu ordnen, sie in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen, ehe wir sie verschriftlichen. Schreiben zwingt uns auch, Argumente für oder gegen einen Sachverhalt anzuführen. Wir können Argumente bekräftigen oder sie einer Kritik unterziehen, aufzeigen, warum ein Argument unzulänglich ist. Die Argumentationsweise soll dabei in einem logischen Kontext stehen, vom einfachsten Argument zum umfassenderen. Diese Fähigkeit gilt es im Studium auszubauen und zu vertiefen. So werden für die je eigene wissenschaftliche Entwicklung mehrere schriftliche Texte verfasst. Zum einen, weil damit die Sprache der jeweiligen Wissenschaft gelernt wird. Zum anderen begründet Schreiben Faktenwissen und Kenntnisse aus der wissenschaftlichen Disziplin. Auf dem Faktenwissen baut das Verstehen auf. Zusammenhänge innerhalb der wissenschaftlichen Disziplin können erkannt und in eine Beziehung gesetzt werden, was wiederum zu neuen Wissensstrukturen führt. Der Schreibprozess führt zu einer inneren, persönlichen Weiterentwicklung. Das Verfassen von Texten ist auch ein äußerliches Zeichen dafür, dass die Studierenden den Anforderungen des Studiums gerecht geworden sind. Schriftliche Arbeiten können unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden: Auf ein Ziel ausgerichtet können wir lehrveranstaltungsbezogene Arbeiten von Studienabschlussarbeiten und publizierten Texten unterscheiden. Lehrveranstaltungsbezogene Arbeiten sind Proseminar-, Seminar- und Hausarbeiten. Sie müssen in vielen Fällen geschrieben werden, um den Leistungsnachweis (Zeugnis) oder salopp ausgedrückt: den begehrten „Schein“ zu einer Lehrveranstaltung zu bekommen. Zu den Studienabschlussarbeiten zählen die Bakkalaureatsarbeit, die Diplom- und Magisterarbeit sowie die Dissertation. Diese Textsorten sind Befähigungsnachweise dafür, dass die Studierenden in der Lage sind, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten. Publizierte Texte werden einem größeren Leserkreis vorgestellt. Sie werden meist in Fachjournalen veröffentlicht und können Originalarbeiten, Fallberichte und Übersichtsarbeiten sein. Im Allgemeinen werden diese Textsorten erst nach einem Studienabschluss und im Zuge von umfangreicheren Forschungsvorhaben veröffentlicht. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal von Textsorten bezieht sich auf den Inhalt. Es gibt primär produzierend wissenschaftliche Textsorten und sekundär rezeptiv reproduzierende Texte. Primär produzierende Textsorten bringen neues Wissen oder neue Erkenntnisse hervor. Sekundär rezeptiv reproduzierende Texte bilden die Wissensgrundlage im Studium. Dabei geht es vor allem darum, die Fakten, die Sprache einer Disziplin zu erlernen und somit eine Wissensbasis zu begründen. Das geschieht vor allem über lehrveranstaltungsbezogene Arbeiten. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal schriftlicher Arbeiten ist der Umfang der Arbeiten. Proseminar-, Seminar-, Hausarbeiten sind wesentlich kürzer als Diplomarbeiten oder Dissertationen.

Kleintextsorten

Zu den Kleintextsorten zählen die lehrveranstaltungsbezogenen schriftlichen Arbeiten wie Proseminar- und Seminararbeiten, das Referat, die Mitschrift, das Protokoll, der Praktikumsbericht und das Exzerpt. Der formale Aufbau (fast) aller Kleintextsorten folgt vorgegebenen Schemata.

Proseminar- und Seminararbeit

In einer Proseminar- bzw. Seminararbeit werden Einzelaspekte eines wissenschaftlichen Problemkreises dargestellt. Der Sinn dieser Textsorte ist es, dass sich die Studierenden Faktenwissen aneignen und entsprechend mit eigenen Worten in eine schriftliche Form bringen. Unter Verwendung von fachspezifischen Begriffen soll der sprachliche Ausdruck geübt werden. Dazu ist es wichtig, dass die Studierenden sich mit der Fachliteratur vertraut machen. Der Umfang des geschriebenen Textes variiert und wird von Fach zu Fach und von LehrveranstaltungsleiterIn zu LehrveranstaltungsleiterIn verschieden sein. Als Richtwerte für die Fließtextabschnitte können folgende Werte gelten: ca. 10-12 Seiten à 400 Wörter für Proseminararbeiten und ca. 15-20 Seiten à 400 Wörter für Seminararbeiten.

Referat und Thesenpapier

Das Referat ist im deutschsprachigen Raum in erster Linie ein mündlicher Vortrag, der schriftlich fixiert wird. Wie bei der Proseminar- und Seminararbeit ist der Themenbereich inhaltlich durch die Lehrveranstaltung vorgegeben. Je nach LV-Didaktik bestehen Möglichkeiten der Wahl von vorgegeben Spezialthemen oder selbst gewählten Vertiefungsgesichtspunkten. Formal wird ein Referat wie jede Proseminar- oder Seminararbeit aufgebaut. Die / der LeiterIn der Lehrveranstaltung erhält eine schriftliche Ausfertigung des Referats. Manche Lehrende legen vergleichsweise viel Wert auf den mündlichen Vortrag.4)) In jedem Fall werden allerdings schriftliche und mündliche Anteile zur Bewertung herangezogen. Die Zuhörerschaft erhält ein maximal zweiseitiges Thesenpapier. Neben formalen Kriterien wie dem Titel der Lehrveranstaltung, Name der Lehrveranstaltungsleiterin / des Lehrveranstaltungsleiters, Tag des Vortrags, Namen der / des Studierenden beinhaltet das Thesenpapier wichtige Grundaussagen zur Thematik, die wichtigsten Ergebnisse und Fakten, zu denen die / der ReferentIn gelangt ist, sowie Visualisierungen und Angaben zu den verwendeten Quellen.

Mitschrift

Die Mitschrift führt oft ein Schattendasein im studentischen Leben, obwohl diese Textsorte ein zentrales Kommunikationsmittel in der universitären Ausbildung ist (vgl. Ehlich & Steets 2000). Die Mitschrift ist deshalb wichtig, weil sie verschiedene kognitive Verarbeitungsmodi wie Merken, Erinnern, Urteilen, Lernen und Planen miteinander verbindet. Hören, Verstehen und Entscheiden, was wichtig und was unwichtig ist, um die gewonnenen Informationen schriftlich festzuhalten, sind weitere Transferleistungen der Mitschrift. Mitgeschrieben kann überall werden, in der Vorlesung, vor dem Fernseher, dem Radio, in der Diskussion mit FreundInnen.

Protokoll

Melanie Moll (2003, S. 29) schreibt, dass „kleinere Textproduktionen wie z. B. Exzerpte, Mitschriften, Notizen und Protokolle … [einen] elementaren Anteil an der Aneignung, Verarbeitung und Weiterentwicklung von Wissen [haben].“ Protokolle sind Verschriftlichungen von mündlichen Gesprächsverläufen. Im Parlament werden die Reden der Abgeordneten mitstenografiert und veröffentlicht. Es gibt verschiedene Protokolltypen. Hier möchte ich nur das wissenschaftliche Protokoll anführen. Beim wissenschaftlichen Protokoll soll der Wissensgewinn, der in einem Dialog erarbeitet wird, schriftlich festgehalten werden. Im Regelfall werden nur Kernaussagen oder Beschlüsse aufgezeichnet, wobei zwischen Berichts- und Handlungspunkten unterschieden wird.

Praktikumsbericht

Der Praktikumsbericht enthält Informationen über den Grund des Praktikums, die Einrichtung, an der das Praktikum gemacht worden ist, den chronologischen Verlauf des Praktikums und die Ergebnisse sowie die Bewertung des Praktikums durch die Praktikantin / den Praktikanten.

Exzerpt

Exzerpte sind Auszüge aus anderen wissenschaftlichen Texten. Wenn ein fremder Text gelesen wird, ist es hilfreich, sich Notizen zum Gelesenen zu machen. Das können Fragen an den Text sein, kritische Anmerkungen zum Text, wörtliche Zitate mit der genauen Seitenangabe im Text oder der Angabe des Kapitels bzw. des Absatzes, wenn es sich um Texte aus dem Internet handelt. Exzerpieren ist die Aneignung von Faktenwissen oder von Thesen, die ein Autor oder eine Autorin vertritt. Die Angabe der bibliografischen Daten ist dabei besonders wichtig, weil nur mit den bibliografischen Daten der Text wieder gefunden werden kann. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Exzerpte schriftlich zu erfassen. Sie können auf ein Blatt Papier oder auf Karteikarten geschrieben werden. Das ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Im Internet findet man die kostenlosen Literaturverwaltungsprogramme „LiteRat“ und „Citavi“ (s. http://www.literat.net/ ). Man kann auch einfach eine Word-Datei zur Verwaltung der Exzerpte verwenden. LiteRat und eine Word-Datei haben den Vorteil, dass in ihnen gezielt nach Stichworten und Fachbegriffen gesucht werden kann. Neuerdings werden auch Weblogs für diese Zwecke verwendet.

Inhaltsverzeichnis und das Exposé

Das Inhaltsverzeichnis und das Exposé sind Kleintexte, die in enger Beziehung zur Qualifizierungsarbeit stehen. Dem Exposé geht die Suche nach einem Thema für eine wissenschaftliche Abschlussarbeit voraus. Es kann sehr hilfreich sein, sich zwei thematische Schwerpunkte auszusuchen. Für diese beiden Schwerpunkte sollte ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis erstellt werden. Das Inhaltsverzeichnis ist eine erste Orientierungshilfe und ein Leseleitfaden. Es ermöglicht einen ersten Überblick auf das Thema. Das Inhaltsverzeichnis sollte logisch aufgebaut sein und vom Einfachen zum Schwierigeren führen. Es besteht generell aus einer Einleitung, dem Hauptteil und dem Schluss. Die Kapitelübersicht bietet eine Zusammenschau über wichtige Aspekte der Forschungsfrage. Weiters werden Lösungsansätze aufgezeigt und die einzelnen Schritte, um einen Lösungsansatz zu erarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt kann eine Entscheidung für das eine oder das andere Thema fallen. Steht die Entscheidung, bleibt ein Thema übrig. Das vorläufige Inhaltsverzeichnis bildet eine Grundlage für das Exposé. Das Exposé hat den Charakter eines Entwurfs, einer Skizze oder auch eines aufgearbeiteten Plans der Arbeit.5) Es soll Angaben enthalten zur Forschungsfrage samt thematischer und theoretischer Grobverortung (Stand der Forschung, Keywords zur geplanten Arbeit), Hinweise zum Erkenntnisinteresse, zur Methodik und zum Design der Arbeit sowie ein vorläufiges Verzeichnis von Literatur und Internetquellen (relevante Auswahl). Ein elaboriertes Exposé enthält eine Beschreibung der einzelnen Kapitel. Was liegt diesem Kapitel zugrunde, welche Fakten gibt es? Gibt es Untersuchungen, die Gegenteiliges ergeben haben? Darüber hinaus können die einzelnen Kapitel von ihrem Umfang her beschrieben werden. Wie lange könnte dieses oder jenes Kapitel sein? Der Inhalt der einzelnen Kapitel und der Unterpunkte wird strukturiert, und so ist das Exposé und das Inhaltsverzeichnis eine Medaille, die von zwei Seiten betrachtet wird. Das Exposé ist in den meisten Fällen eine Grundlage des Gesprächs mit der anvisierten Betreuungsperson und in der weiteren Folge ein Wegweiser und Routenplaner bei der Ausfertigung der Abschlussarbeit.

Studienabschlussarbeiten

Zu den Studienabschlussarbeiten zählen die Bakkalaureatsarbeit, die Diplom- und Magisterarbeit sowie die Dissertation. Mit der erfolgreichen Erstellung dieser schriftlichen Arbeiten und einer entsprechend positiven Beurteilung erhalten die Studierenden ihre Zertifikate und die damit verbundenen Berechtigungen. Die Studienabschlussarbeiten können unterschiedliche Charakteristika aufweisen (s. „Der Forschungsprozess“). Wer einige Qualifizierungsarbeiten in der Universitätsbibliothek sichtet, wird rasch feststellen, dass unterschiedliche „Genres“ und Formate anzutreffen sind. Mit ihnen sind im Detail verschiedene Anforderungen verbunden, die mit den Betreuungspersonen abzuklären sind. Hier bestehen einerseits wissenschaftliche Freiheiten, die anhand prototypischer Beispiele und entsprechender Qualitätsmerkmale aufgezeigt werden können. Andererseits gelten gesetzliche Bestimmungen, die Sie bei der Studienabteilung und auf der Homepage der Fakultätsstudienleitung in Erfahrung bringen können. Die nachfolgenden Kurzcharakterisierungen sollen Ihnen einen ersten Eindruck von den Anforderungen geben, die mit den unterschiedlichen Abschlussarbeiten verbunden sind. Für alle Anspruchsniveaus gilt: Wichtig ist, dass Sie im Diskurs mit FachkollegInnen sind und dass das „stille Kämmerlein“ nicht Ihr einziger Arbeitsort ist.

Bakkalaureatsarbeit

Die Bakkalaureatsarbeit ist Teil eines berufsvorbereitenden Studienabschlusses. Mit dem Bakkalaureat zeigen die AbschlusskandidatInnen, dass sie wissenschaftliche Grundkenntnisse erworben haben und diese sowohl inhaltlich wie formal umsetzen können. Dabei ist ein bestimmter Problembereich aus einem Studiengebiet schriftlich darzustellen. Bakkalaureatsarbeiten sind im Regelfall an Themen aus Lehrveranstaltungen oder Studienplanmodulen gebunden. Die verwendete Literatur ist Grundlagenliteratur. Die Studierenden sollen nachweisen, dass sie die fachspezifische Lexik verstehen und anwenden können. Auf der Fachsprachenkenntnis baut das weitere Studium auf. Texte fremder AutorInnen sollen interpretiert werden und gleichzeitig sollen Argumente gefunden werden, die für oder gegen die zitierten wissenschaftlichen Auffassungen sprechen. Die Studierenden sollen dabei zeigen, dass sie in der Lage sind, zu fremden Texten eine kritische Distanz einzunehmen und diese argumentativ zu begründen. Die Literatur, die gelesen und in den Text eingearbeitet wird, sollte mindestens 15 bis 20 Titel umfassen. Diese können selbst gewählt oder in Absprache mit den Betreuenden ausgesucht werden. Der Umfang und der Inhalt sind mit den BetreuerInnen abzustimmen (Richtwert: ca. 50-70 Seiten).6)

Diplom- und Magisterarbeit

Die Diplom- oder die Magisterarbeit bilden sicherlich einen Höhepunkt für die meisten Studierenden. Diese Arbeiten gelten als Nachweise dafür, dass die Studierenden die Befähigung erlangt haben, selbständig wissenschaftliche Probleme zu lösen. Während des Studiums haben sie gelernt, wissenschaftliche Fragestellungen mit den methodischen Werkzeugen der jeweiligen Disziplin zu untersuchen und darzustellen. Im Unterschied zur Bakkalaureatsarbeit wird hier die themenbezogene Einarbeitung von zumindest zwei bis drei wissenschaftlichen Theorien oder Modellen und deren Anwendung erwartet. Auch in forschungsmethodischer Hinsicht müssen die grundlegenden Erfordernisse konsequent beachtet werden. Der zeitliche Rahmen für eine Diplom- oder Magisterarbeit variiert je nach den Arbeitsbedingungen und den eigenen Kompetenzen ungefähr zwischen einem halben und einem Jahr. In diesen Zeitrahmen sollen die Literaturrecherche, die schriftliche Ausführung, Korrekturarbeiten und Überarbeitungen des Textes fallen. Gespräche mit der Betreuungsperson über auftretende Probleme oder Fragen sollen ebenfalls stattfinden. Es ist sicherlich hilfreich, wenn die / der BetreuerIn der Diplomarbeiten an der Universität arbeitet. Die räumliche Nähe ist für persönliche Gespräche von Vorteil. Formal umfasst eine Diplom- oder Magisterarbeit ca. 90 bis 140 Seiten einschließlich Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Textkorpus, Literaturverzeichnis und Anhang. Eine eidesstattliche Erklärung, dass der Text ohne fremde Hilfe erstellt worden ist, darf auch nicht fehlen. Die Auswahl des Themas ergibt sich aus dem eigenen Interesse, den Vorkenntnissen und der Verfügbarkeit geeigneter Betreuer. Eine mögliche Vorgangsweise bei der Themenauswahl könnte so aussehen, dass sich die / der Studierende überlegt, wo die Interessensschwerpunkte liegen. Welche Vorkenntnisse hat die / der Studierende? Gibt es einen vertiefenden Schwerpunkt, der während des Studiums gesetzt worden ist? Welche Literatur ist bereits gelesen und jeweils exzerpiert worden? Gibt es bereits praktische Erfahrungen, die bei einer Ausführung hilfreich sind? Bei welchen laufenden Forschungsprojekten kann ich mitwirken? Ein manchmal zu wenig beachteter Problemkreis ist Nähe bzw. Distanz zu einem Thema. Wählt die / der Studierende aus eigener Betroffenheit ein bestimmtes Thema, kann die notwendige Distanz fehlen, um den Problemkreis unbelastet abzuhandeln. Das gilt nicht nur für quantitative, sondern vor allem für qualitative Arbeiten. Ist die Distanz zum Thema zu groß, erlischt vielleicht das Interesse an einer konsequenten Bearbeitung und Ausführung. Sind diese Hürden genommen, kann die eigentliche Themenwahl erfolgen. Nach einer Güterabwägung kann sich die / der Studierende für einen Bereich entscheiden. Im Zuge der Kontaktaufnahme mit einer Betreuungsperson soll zumindest eine schriftlich ausgearbeitete thematische Skizze, besser ein Exposé vorgelegt werden, anhand dessen weitere Schritte entschieden werden.

Dissertation

Die Dissertation ist eine umfangreiche Forschungsarbeit (Richtwert: ca. 180-300 Seiten), bei der das Thema nicht mehr so eng eingegrenzt ist wie bei der Diplomarbeit. Die Forschungsfrage ist vergleichsweise komplexer angelegt, und es müssen die relevanten theoretischen Diskurse und forschungsmethodischen Spielregeln berücksichtigt werden. Der Grad der theoretischen Verdichtungsleistung ist entsprechend höher. Die Dissertation soll als eigenständiges Forschungsprojekt abgehandelt werden. Mit ihr soll die Befähigung zur selbstständigen Bewältigung wissenschaftlicher Fragestellungen und Forschungsaufgaben weiterentwickelt werden. Sie soll neue Erkenntnisse hervorbringen und auch für den Wissenschaftsbetrieb eine Bereicherung sein. Das Schreiben einer Dissertation ist arbeitsintensiv und nimmt jedenfalls zwei bis drei Jahre in Anspruch.

Allen Textsorten ist gemeinsam, dass ein aktueller, gesellschaftsrelevanter Bezug wünschenswert ist, der Inhalt auch eine fächerübergreifende Darstellung erfährt und dabei zukünftige Entwicklungen andiskutiert werden (vgl. Brauner & Vollmer 2004). Überlegen Sie in jedem Fall, inwieweit die von Ihnen behandelten Themen und Forschungsfragen wichtig und sinnvoll sind und worin deren Bedeutung für heutige Problemlagen besteht.

6. Formale Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten

Karoline Bitschnau und Britta Elisabeth Suesserott

Karmasin und Ribig (2002, S. 27) stellen die Frage: „Ist nun die Form wissenschaftlich oder der Inhalt?“ Ihre Antwort: „Selbstverständlich beides!“. Dieser Teil der Handreichung informiert über die formalen Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens.

Äußere Gestaltung

Neben der inhaltlichen Relevanz wissenschaftlicher Arbeiten gilt es, gewisse formale Aspekte zu berücksichtigen: äußere Form, Aufbau, Gliederung, Nummerierungstypus und Quellenangaben. Diese Richtlinien zielen auf eine leicht verständliche Leseform. Grundsätzlich sind wissenschaftliche Arbeiten in ihrer äußeren Form übersichtlich zu gestalten. Als Beispiel kann folgende Empfehlung dienen: fortlaufende Angabe der Seitenzahlen (Pagina) am oberen oder unteren Rand, ein Zeilenabstand von 1,5 und gut lesbare Schrift. Bevorzugter Schrifttyp bei den meisten Arbeiten ist z. B. Times New Roman mit Schriftgröße 12. Längere Zitate (mehr als 40 Worte) werden vom Text abgehoben, eingerückt und einzeilig geschrieben. Die Arbeiten sind auf A4-Papier einseitig zu drucken und zu heften. Bakkalaureats- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen sind gebunden und in mehrfacher Ausfertigung abzugeben. Nähere Hinweise dazu und zu den jeweils geltenden Fristen und Abgaberoutinen bekommen Sie in der Studienabteilung. Wir empfehlen folgende Randeinstellung:

Tabelle 1: Randeinstellung

Randeinstellung Haus-, PS- und Seminararbeiten geheftet Abschlussarbeiten Bakkalaureats/Diplomarbeit/Dissertation: gebunden
Oberer Rand 2,5 cm 3 cm
Unterer Rand 2,5 cm 3 cm
Linker Rand 3 cm 4 cm
Rechter Rand 2,5 cm 3 cm
Kopf- und Fußzeile 1,5 cm 1,5 cm

Wichtige Begriffe können kursiv hervorgehoben werden. Unterstreichungen sowie fette oder g e s p e r r t e Schreibweisen sind heute selten geworden. Bitte wählen Sie in jedem Fall eine Art der Hervorhebung für die gesamte Arbeit und vermeiden Sie allzu „bunte“ Formatierungen. So sollten beispielsweise nicht mehr als zwei Schriftarten und drei Schriftgrade verwendet werden. Wir weisen ergänzend darauf hin, dass Absätze Absatzendabstände aufweisen sollen. Dies erleichtert das Lesen wesentlich.

Formale Aspekte

Beachten Sie bitte Strukturelemente und äußere Darstellung einer wissenschaftlichen Arbeit, die Sie quasi als „Visitenkarte“ verstehen können. Strukturelemente bestimmen die Art Ihrer Arbeit. Wir zeigen dies an zwei Beispielen für Deckblätter für eine Haus-, Seminar-, Bakkalaureats-, Diplomarbeit bzw. Dissertation. Als Strukturelemente einer wissenschaftlichen Haus- bzw. Seminararbeit gelten: Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Gliederung, Belege (Zitation, Titelangabe und Anmerkungen), Legende zu den Abkürzungen, Literaturverzeichnis und Anhang. Bei Diplomarbeiten und Dissertationen können Sie nach folgendem Schema ordnen: leeres Blatt, Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Vorwort, Text (Gliederung je nach Art der Arbeit), Literaturverzeichnis, Anhang, eidesstattliche Erklärung, Lebenslauf, leeres Blatt.

Titelblatt Das Titelblatt sollte je nach Art der Arbeit folgende Angaben enthalten:

Abbildung 1: Beispiel-Titelblatt Seminararbeit Abbildung 2: Beispiel-Deckblatt Diplomarbeit

Haus- und (Pro-)Seminararbeiten heften Sie bitte oder legen diese in eine Flügelmappe ein. Abschlussarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen werden gebunden. CD-ROMs oder DVDs können beigelegt werden.

Das Inhaltsverzeichnis gibt Überschriften und entsprechende Seitenzahlen an. Einfachste Handhabung für eine Nummerierung von Überschriften sind arabische Ziffern ohne Punkt nach der letzten Zahl: 1.1; 1.1.1. Bitte vermeiden Sie Gliederungspunkte ohne folgenden Abschnitt, somit muss bei Angabe von 2.1 mindestens ein weiterer Abschnitt 2.2 folgen. Bei den Seitenzahlen zählt das Titelblatt, wobei diese Seitenangabe auf dem Titelblatt nicht erscheint.

Das Inhalts- und das Abbildungsverzeichnis geben der Leserin und dem Leser einen ersten Überblick. Systematik und logischer Aufbau spiegeln die Arbeit wider.

Das Vorwort enthält üblicherweise Hinweise zur Entstehung der Arbeit, Ziele und Zwecke der Arbeit sowie Dankesworte an bestimmte Personen wie Teammitglieder, Betreuende usf. Als bewährte Gliederungsvariante gilt Einleitung – Hauptteil – Schluss (Fazit, Resümee). Die Einleitung stellt das behandelte Problem dar, formuliert erste Forschungsfragen und begründet den Aufbau der Arbeit. Im Hauptteil gliedern Sie je nach Fragestellung und Thema im Sinne einer gut durchdachten Gliederung und der Schluss soll die Arbeit mit den Ergebnissen abrunden (für weitere Hinweise siehe z. B. Franck 2004, S. 49-65 u. S. 199 ff).

Das Literaturverzeichnis enthält die gesamte Literatur, auf die in der Arbeit Bezug genommen wird. Neuerdings gewinnt auch der Aspekt der Medialiät an Bedeutung. So werden zur Darstellung von Simulationen, Flussdiagrammen oder dynamischen Eigenschaften oftmals digitale Hilfsmittel und Speichermedien benötigt. Ein schönes Beispiel finden Sie im Internet unter http://www.gapminder.org/. Solche Flash Animationen können mit Screenshots in gedruckten Arbeiten nicht angemessen dargestellt werden. Wichtige Hinweise zu dieser Thematik wurden im Projekt „Dissertation Online“ erarbeitet (s. http://www.dissonline.de/ ).7) Wenn Sie Fotos oder Grafiken einbinden, dann achten Sie darauf, dass diese eine Auflösung von mindestens 300 dpi bei einer Breite von 10 cm aufweisen. Abschließend weisen wir darauf hin, dass es nicht die oder nur eine richtige Form für wissenschaftliche Arbeiten gibt. Angelehnt an Ihre Forschungsanliegen, übliche Standards unterschiedlicher Gruppen von Forscherinnen und Forschern werden verschiedene Varianten bevorzugt. Am besten gewöhnen Sie sich von Anfang an die Verwendung einer geeigneten Dokumentvorlage an (s. z. B. Riekert o.J.). Die hier dargestellten Vorschläge sollen als Folie dienen, die Sie mit der Betreuerin oder dem Betreuer abzusprechen haben.

7. Quellen, Zitat und Zitieren

Klaus Niedermair und Michael Nonnato

Wissenschaftliches Arbeiten stützt sich auf bereits vorhandenes Wissen, der wissenschaftliche Fortschritt wäre wahrscheinlich sehr gering, wenn wir jedes Mal versuchen würden, das Rad neu zu erfinden. Das gilt besonders auch für wissenschaftliches Arbeiten während des Studiums: Meist werden Sie in Ihren Texten bereits vorhandene Literatur zu einem Thema verarbeiten oder kompilieren. Umso wichtiger ist es, die eigene Leistung und die Ideen anderer, auf denen Sie aufbauen, unterscheidbar zu machen. Es gehört zur political correctness wissenschaftlichen Arbeitens, die in einer wissenschaftlichen Arbeit verwendeten Quellen anzugeben und nachzuweisen, also genau zu zitieren.

Warum zitieren?

„Zitieren“ bedeutet Verwenden von Gedankengut fremder Autoren und Angeben der Quelle. Texte müssen natürlich zitabel, d.h. zitierfähig sein. Dazu muss ein Text erstens in einem Buch, einer Zeitschrift oder auch im Internet veröffentlicht und zugänglich sein. Zweitens sollte der Text wissenschaftlich sein, also über ausführliche Quellenangaben verfügen, eine nachvollziehbare Argumentation aufweisen und auf anerkannten wissenschaftlichen Methoden basieren. Korrektes Zitieren betrifft nicht nur die Form einer wissenschaftlichen Arbeit, sondern erfüllt unterschiedliche Aufgaben, von denen nicht zuletzt auch das Funktionieren und Weiterentwickeln des Wissenschaftsbetriebs abhängt: Zitieren ist unabdingbar, um

  • eine These nachprüfen zu können,
  • eigene und fremde Leistungen zu unterscheiden,
  • Informationen aufzufinden,
  • zu dokumentieren, welche Positionen WissenschaftlerInnen vertreten,
  • nachzuweisen, dass und welche relevante Literatur verarbeitet wurde,
  • die eigene Argumentation zu unterstützen usw.

Wer nicht korrekt zitiert, begeht ein Plagiat.

Was ist ein Plagiat?

Ein Plagiat ist die bewusste unrechtmäßige Übernahme von fremdem geistigen Eigentum (vgl. Weber-Wulff 2004). Plagiieren heißt demnach gegen die Regeln des korrekten Zitierens verstoßen. Dies ist dann der Fall, wenn jemand

  • die Arbeit anderer für die eigene ausgibt, z. B. einen „Ghostwriter“ hat,
  • Arbeiten ganz oder zum Teil aus dem Internet kopiert und sie für die eigene ausgibt,
  • fremdsprachige Arbeiten ganz oder zum Teil übersetzt und ohne Quellenangaben übernimmt,
  • Zitate verwendet, ohne die entsprechenden Quellen zu nennen,
  • aber auch ein und dieselbe Arbeit ganz oder zum Teil in verschiedenen Seminaren einreicht.

Achtung: Ein Plagiat zu identifizieren, ist fast genauso einfach wie eines zu begehen! Meist fällt Lehrenden die überraschende Diktion der Arbeit auf oder Stilbrüche innerhalb der Arbeit, und mit einer kurzen Recherche (Phrasensuche) über eine Internet-Suchmaschine ist schnell überprüft, ob der Tatbestand vorliegt. Plagiate sind keine Lausbubenstreiche, sondern ernstzunehmende Verstöße gegen die Spielregeln der Wissenschaftskultur. Bei studentischen Arbeiten führt ein nachgewiesenes Plagiat im besten Fall zu einer negativen Benotung.

Zitierregeln

Es gibt mehrere unterschiedliche Zitierregeln, jeder kann sich selbst für eine Methode entscheiden, wobei den WissenschaftlerInnen, die in Fachzeitschriften oder Sammelbänden publizieren, häufig auch spezifische Reglements vorgegeben werden. Allgemein gilt: Egal, für welchen dieser Standards Sie sich in Ihrer Arbeit entscheiden, wichtig ist, dass der Standard, für den Sie sich entschieden haben, durchgängig und konsistent befolgt wird und – und dazu ist ja das Zitieren gut – dass die zitierten Quellen aufgrund Ihrer Belege auch gefunden werden können. Die Zitierweise in dieser Broschüre beruht auf der der sog. Harvard-Methode, die wir Ihnen auch empfehlen, da sie international ist und heute von vielen WissenschaftlerInnen in den Sozialwissenschaften verwendet wird (Harvard Referencing 2004). Im Unterschied zum Harvard-Style haben wir uns aber entschieden, die Vornamen der Autor/innen nicht abzukürzen: Nicht zuletzt erweist sich dies oft hilfreich beim Recherchieren der Literaturquelle. Nach der Harvard-Notation wird die zitierte Literatur im Text in einer Kurzform und am Ende der Arbeit in einem Literaturverzeichnis nachgewiesen. Alternativ dazu gibt es die Fußnotenbelegmethode, eine der ältesten Belegmethoden: Hier wird die Literatur in Fußnoten nachgewiesen, wobei Literatur, aus der wiederholt zitiert wird, abgekürzt wird, ein eigenes Literaturverzeichnis gibt es nicht.

Noch ein Hinweis: Es ist hilfreich, wenn Sie bereits bei der Verwaltung der Literatur auf die korrekte Zitierweise achten, Sie sparen sich so viel Arbeit.

Zitierregeln sind also Normen für das Zitieren, sie legen fest,

  • wie im Text zitiert wird, also wie das Zitat aussehen soll,
  • und wie die verwendeten Quellen im Literaturverzeichnis anzugeben sind.

Das Zitat

Das Zitat ist die aus einer Quelle zitierte Textpassage inklusive Quellenbeleg. Der Quellenbeleg besteht nach der Kurzbeleg- oder Harvard-Methode nur aus dem Nachnamen des Autors, dem Erscheinungsjahr und der Seitenangabe.

„… Zitat…“ (Nachname Jahr, Seitenangabe)

Es lassen sich das wörtliche, direkte und das sinngemäße, indirekte Zitat unterscheiden.

  • Ein wörtliches (oder direktes) Zitat gibt die zitierte Textstelle wortgetreu wieder, auch Fehler und die dort verwendete Rechtschreibung. Das Zitat wird in Anführungszeichen gesetzt, der Quellenbeleg folgt zwischen Klammern als Angabe des Autors, des Erscheinungsjahres und der Seitenangabe: „Ein direktes Zitat muss im Text in Anführungszeichen gesetzt werden …“ (Theisen 2005, S. 132) „Bei einem direkten Zitat müssen Anführungszeichen zu Beginn und am Ende des aus der Quelle übernommenen Textes gesetzt werden.“ (Brink 2004, S. 249) Je nachdem, wie umfangreich das direkte Zitat ist, lassen sich unterscheiden: das Kürzestzitat (ein bis fünf Wörter), das Kurzzitat (bis zu 40 Wörter eines Textes) und das Lang- oder Blockzitat (zwischen 40 und 200 Wörter). Achtung: Wenn eine Textpassage aus dem Zusammenhang gerissen wird, kann sie immer auch missverständlich verwendet werden. Auch das gehört zur political correctness wissenschaftlichen Arbeitens, dass der Kontext des Zitats respektiert wird.
  • Das indirekte, sinngemäße Zitat (auch Paraphrase genannt) fasst die grundlegenden Gedanken einer Textstelle in eigenen Worten zusammen. Anführungszeichen werden hier keine gesetzt, genau wie beim direkten Zitat muss jedoch die Quelle – meist mit dem Kürzel vgl. (= vergleiche) – belegt werden. Mehrere Autoren weisen auf die Wichtigkeit eines genauen Quellenbeleges hin, besonders bei indirekten Zitaten (vgl. Theisen 2005, Brink 2004).

Literaturverzeichnis

Im Literaturverzeichnis wird die gesamte Literatur, die im Text mittels Kurzbeleg zitierte wurde, bibliografisch vollständig und in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Dabei ist auf die unterschiedliche Publikationsart der jeweiligen Quelle Rücksicht zu nehmen. In diesem Zusammenhang kann zwischen selbständigen Publikationen (Büchern) und unselbständigen (Artikel in Zeitschriften und Sammelbänden) unterschieden werden, wobei auch Internetdokumente zunehmend wichtiger werden:

  • Bücher, insbesondere selbständige Veröffentlichungen und Herausgeberwerke, werden wie folgt zitiert:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. Ausgabe. Verlagsort: Verlag.

Watzlawick, Paul; Beavin, Janet H. & Jackson, Don D. (1982): Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. 6. Aufl. Bern, Stuttgart, Wien: Huber.

Jüttemann, Gerd (Hrsg.) (1985): Qualitative Forschung in der Psychologie. Grundfragen, Verfahrensweisen, Anwendungsfelder. Weinheim, Basel: Beltz.

Kieser, Alfred & Kubicek, Herbert (1978): Organisationstheorien. Bd. 1. Stuttgart: Kohlhammer.

Kelle, Udo & Kluge, Susann (1999): Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung. Opladen: Leske + Budrich. Lyotard, Jean-François (1996): Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. Wien u.a.: Böhlau.

  • Aufsätze in Sammelbänden:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. In: Nachname, Vorname (Hrsg.): Titel. Untertitel. Ausgabe. Verlagsort: Verlag, Seiten.

Aschenbach, Günter; Billmann-Machecha, Elfriede & Zitterbarth, Walter (1985): Kulturwissenschaftliche Aspekte qualitativer psychologischer Forschung. In: Jüttemann, Gerd (Hrsg.): Qualitative Forschung in der Psychologie. Grundfragen, Verfahrensweisen, Anwendungsfelder. Weinheim, Basel: Beltz, S. 25-44.

  • Aufsätze in Zeitschriften:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. In: Zeitschrift, Jahrgang, Seiten.

Flick, Uwe (1992): Triangulation Revisited. Strategy of or Alternative to Validation of Qualitative Data. In: Journal for the Theory of Social Behavior, 22, S. 175-197.

Soeffner, Hans-Georg (1991): Verstehende Soziologie und sozialwissenschaftliche Hermeneutik. Die Rekonstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit. In: Berliner Journal für Soziologie, 2, S. 263-269.

Rusch, Gebhard (1997): Konstruktivismus und die Traditionen der Historik. In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 8, S. 45-76.

  • Internetdokumente:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Verfügbar unter: http://... (Stand JJJJ-MM-TT).

Rost, Friedrich (2001): Autoren-Richtlinien. Entwurf von Standards wissenschaftlicher Texte. Verfügbar unter: http://www.sozialextra.de/wep2/Arlend6.pdf (Stand 2006-02-20).

8. Zur Gestaltung von LV-Beiträgen

Sonja Ausserer und Theo Hug

Im Laufe des Studiums werden Sie wiederholt kürzere oder längere Beiträge in Lehrveranstaltungen (LV) einbringen. Wir wollen Sie dazu anregen, diese Situationen neben der Prüfung vor allem auch als Lerngelegenheiten wahrzunehmen und dabei Schritt für Schritt die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern. Vielleicht haben Sie von jenen unerquicklichen Seminarsituationen gehört oder solche auch selbst erlebt, in denen über zwei oder gar mehrere Stunden hinweg ein Referat nach dem anderen vorgetragen wurde und die „Diskussionen“ sich auf ein paar kurze Rückfragen beschränkten. Wenn dabei der Eindruck entstand, dass die Anwesenheitspflicht als wichtigstes Bindemittel wirkte, dann sind Zweifel am Sinn des Arrangements und an der Lernwirksamkeit durchaus angebracht. Freilich spielen Referate für die akademischen Lehr- und Lernprozesse eine wichtige Rolle. Es gibt aber keinen vernünftigen Grund, jeden LV-Beitrag als fertig ausgetexteten Vortrag zu gestalten oder Referate in stereotyper Weise so zu inszenieren, dass Langeweile und Desinteresse gleichsam vorprogrammiert erscheinen. Je nach Größe der Gruppe und didaktischem Gesamtarrangement können verschiedene Arbeits- und Sozialformen sowie Medien eingesetzt werden. Je nach Thema, Fragestellung und verfügbarer Zeit können Elemente wie Partneraufgaben, Reflexionen in Kleingruppen, Rollen- oder Stegreifspiele, kurze Übungssequenzen, Brainstormings, Visualisierungen, Thesenblätter, exemplarische Veranschaulichungen oder auch künstlerische Darstellungen zum Gelingen eines LV-Beitrags beitragen. Dabei geht es nicht darum, den Unterhaltungswert über wissenschaftliche Ansprüche zu stellen oder die Lernprozesse am Format der Talkshow auszurichten. Die lebendige und anregende Gestaltung von inhaltlichen Angeboten ist eine Sache, Lernprozesse lebendig werden zu lassen und Raum für unterschiedliche Stimmungen und Formen der Beteiligung zuzulassen ist eine andere, die erheblich zur Qualität dieser Prozesse beitragen kann. In der einschlägigen Literatur (s. Anhang) finden Sie zahlreiche Hinweise zum Präsentieren, Moderieren und zur didaktischen Gestaltung von LV-Beiträgen. Wir geben Ihnen hier einige exemplarische Anhaltspunkte zum Einstieg.

Die Planungsphase

Der erste Schritt besteht in der Klärung einiger Ausgangsfragen: Ist das Thema vorgegeben? Welche Wahlmöglichkeiten habe ich und wie kann ich das Thema eingrenzen? Wie groß ist die Gruppe, was erwarte ich mir vom Beitrag und was erwarten sich die Gruppenmitglieder und die Leitungsperson? An welches Vorwissen kann ich anknüpfen, welche Bezüge zur Thematik kann ich herstellen? Wichtig sind weiters Fragen nach den Ressourcen: Wie viel Zeit habe ich für die Vorbereitung und für den Beitrag selbst? Welche Texte und Unterlagen habe ich zur Verfügung? Brauche ich ergänzende Materialien oder sind eher Kürzungen angebracht? Bei Ergänzungen: Komme ich anhand der Literaturliste zur Veranstaltung und der in den Büchern angegebenen Bibliografien weiter? Finde ich passende Texte und Quellen in der Bibliothek (Sachbereiche, Schlagwortkatalog, AutorInneneinführungen, Hand– und Wörterbücher, Enzyklopädien etc.)? Wen kann ich fragen und wie kann ich elektronische Recherchemöglichkeiten sinnvoll nutzen? Bei Kürzungen: Welche Teile scheinen mir unerlässlich, wesentlich oder besonders charakteristisch zu sein? Worauf will ich mich konzentrieren? Auf die Klärung welcher Begriffe oder theoretischer Aspekte kann ich am ehesten verzichten? Die Beantwortung dieser Fragen sollte bei der Planung einzelner Schritte hilfreich sein. Im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit, die Aufwandsbegrenzung und den Lernerfolg empfiehlt es sich auf zwei weitere Aspekte zu achten: Selbsteinschätzung: Was kann ich gut und was weniger gut? Worauf will ich bei der nächsten Präsentation mein Augenmerk legen? Es macht wenig Sinn, alle inhaltlichen, didaktischen und medialen Aspekte zugleich verbessern zu wollen. Nehmen Sie sich Zeit für die einzelnen Lernschritte und reflektieren Sie die Resultate der Planungen und Vorbereitungen in abwägender Weise. Hilfreich ist die Verwendung eines Lerntagebuchs, in dem Sie Selbst- und Fremdeinschätzungen sowie Ihren Kompetenzzuwachs reflektieren. Gruppenarbeiten: Viele LV-Beiträge werden in Gruppen erarbeitet. Hier ist besondere Sorgfalt bei der Planung angezeigt, damit die Zusammenarbeit gelingen kann. Es sollten im Falle einer Gruppenarbeit die einzelnen Beiträge sinnvoll aufgeteilt und die Einzelteile aufeinander abgestimmt werden. Es empfiehlt sich, gleich zu Beginn Namen und Telefonnummern der Gruppenmitglieder auszutauschen sowie Termine zur Er- bzw. Bearbeitung des Beitrags zu fixieren. Auch die Verwendung elektronischer Hilfsmittel („Groupware“) kann sehr hilfreich sein.8)

Last but not least ist für die Planung und Vorbereitung auch das abschätzbare wissenschaftliche Exaktheitsniveau von Bedeutung. Es macht einen Unterschied, ob alle LV-TeilnehmerInnen sich eher als AnfängerInnen verstehen oder ob Sie seminaristischen Ansprüchen für Fortgeschrittene gerecht werden wollen. Überlegen Sie in diesem Zusammenhang, wie Sie mit einer allfälligen Heterogenität der LV-Gruppe umgehen und sie für die Erreichung der Lehr-/Lernziele nutzen können.

Die Durchführungsphase

Bei der Durchführung ist es hilfreich, wenn Sie sich eine vage Vorstellung vom Ablauf der Sequenz machen, die Sie gestalten wollen, und sich klar machen, wie viel Zeit Sie zur Verfügung gestellt bekommen bzw. Sie sich nehmen. Dazu kann ein Leitfaden nützlich sein, der sich auf folgende Aspekte bezieht: Einleitung: Zu Beginn des Beitrags stellen Sie das Thema und sich selbst kurz vor und erläutern Ihre Bezüge zum Thema. Die Anwesenden wollen auch über Gliederung und Abfolge des Beitrages und über mögliche Aufgaben oder Formen der Mitwirkung informiert werden. Eine thesenartige Zusammenfassung kann je nach didaktischer Absicht gleich zu Beginn, während oder am Ende des Beitrags eingebracht werden. Sie sollte Kernaussagen in ausformulierten Sätzen sowie Literatur- und Quellennachweise im Umfang von 1-3 Seiten enthalten und in ausreichender Zahl kopiert werden. Achtung: Die Verteilung von kopierten Inhaltsverzeichnissen macht im Regelfall keinen Sinn. Thesenblätter wie auch Arbeitsblätter oder sonstige Unterlagen können auch in digitaler Form zur Verfügung gestellt werden (per E-Mail oder online zum Herunterladen). Ein Tipp noch zur Einleitung: Ein Referat wirkt auf ZuhörerInnen anregender, wenn einleitend ein passendes Zitat oder Sprichwort, ein ansprechendes Bild, eine rhetorische Frage oder etwa ein aktueller Zeitungsausschnitt präsentiert wird.

Hauptteil: Der Hauptteil verlangt eine klare und bündige Gliederung. Es kann auch auf eine der verbreiteten „Referatsformeln“ zurückgegriffen werden:

  • Bei der „Ist-Soll-Formel“ wird zu Beginn des Referats die momentane Lage (Ist-Zustand) erläutert, dann der angestrebte Zustand (Soll-Zustand), um in einem letzten Schritt noch Wege zur Verwirklichung vorzuschlagen.
  • Die „Pro-und-Contra-Formel“ eignet sich bei strittigen Fragen, die gleich voranstellt werden. Pro- und Contra-Argumente gliedern den Beitrag, abwägende Argumentationen oder ausgleichende Kompromisse könnten das Thema abrunden oder aber in Diskussionsgruppen gefunden werden.
  • Auch andere Formeln wie „Hypothese/Beobachtung/Schlussfolgerung“ oder auch die „Vergangenheits-/ Gegenwarts-/Zukunftsformel“ eignen sich zur Gestaltung.

In allen Fällen gibt es Möglichkeiten, die Anwesenden mit diversen Methoden in den Prozess einzubinden (Bsp. kurze Orientierungsfragen, Kleingruppenarbeit, Partnerübung, „Fishbowl“ etc.).

Schluss: Das Ende eines Beitrags lässt sich mit einer kurzen Zusammenfassung der wesentlichen Kernaussagen abrunden. Im Falle eines klassischen Referats helfen vorbereitete Aufgabenstellungen oder provokante Aussagen zur Einleitung von Diskussionsprozessen im Plenum oder auch in kleinen Gruppen. Der Abschluss sollte im Regelfall im Plenum getätigt werden.

Hier ein paar weitere Tipps zur Gestaltung von LV-Beiträgen

Ängste: Etwas „Lampenfieber“ schadet nichts – im Gegenteil! Wenn es der eigenen Wahrnehmung zufolge eindeutig zu hoch steigt, dann helfen folgende „Senkungsmittel“: Ein guter Leitfaden verschafft Sicherheit und gibt Halt. Vorformulierte einleitende Worte tragen zur Überwindung von Blockaden vor dem ersten Satz bei. Ein freundlicher Gesichtsausdruck signalisiert den ZuhörerInnen Freude und Sympathie, die man von diesen auch bald wieder zurückerhält. Bewegung auf der Bühne – auch beim Einsatz von Medien – entkrampfen starr gewordene Muskeln und müde ZuhörerInnen. „Generalproben“ im Freundeskreis nehmen nicht nur Ängste, sondern schenken auch neue Ideen.

Rhetorik: Verwenden Sie kurze Sätze und „verschlucken“ Sie keine Endungen, damit Sie besser verstanden werden. Achten Sie weiters auf Sprechgeschwindigkeit und Lautstärke und vermeiden Sie Dialekt und vulgärsprachliche Ausdrucksweisen. Erläutern Sie Fachausdrücke und Fremdwörter und verzichten Sie auf unnötig komplizierte Redeweisen.

Manuskript: Unabhängig davon, ob es um ein klassisches Referat, einen Kurzvortrag, eine Präsentation mit Übungselementen oder ein flexibles Plenum-Kleingruppen-Arrangement geht, in jedem Fall sollten die Unterlagen übersichtlich gestaltet sein. Heben Sie einzelne Punkte optisch hervor oder verwenden Sie Symbole oder Kürzel (zum Beispiel für Pro- oder Contra-Argumente). Handliche Stichwortgeber in Form von Stichwortkarten, Mindmaps oder Handzettel mit Folienerläuterungen sind allemal hilfreich. Manuskripte sollten nur in Ausnahmefällen abgelesen werden. Je nach Prüfungsbedingungen sind die verwendeten Materialien und Referatunterlagen auch zu überarbeiten und fristgerecht abzugeben.

Körpersprache: Achten Sie bei Ihren Auftritten auch auf Gesten und Körperhaltungen. Gehen Sie auf die Anwesenden zu und vermeiden Sie Gesten wie Hände an den Hüften oder in den Taschen, die leicht aggressiv wirken, oder solche, die Barrieren zum Publikum aufbauen (Bsp. verschränkte Arme). Verwenden Sie auch die Hände zum Sprechen – eine offene Körperhaltung erleichtert die Kontaktaufnahme mit den Anwesenden.

Didaktik: Viele Präsentationsformen setzen Neugier und Interesse voraus oder sie bauen auf die Kraft guter Argumentationen. In vielen Fällen sind Müdigkeit und Langeweile trotz inhaltlich guter Vorbereitung stärker. Wenn Sie Raum für Beteiligung und Interaktion bieten, steigen die Chancen auf einen gelungenen LV-Beitrag. Überlegen Sie didaktische Variationsmöglichkeiten und lassen Sie sich dabei von erfahrenen KollegInnen oder dem oder der LV-LeiterIn beraten. Je nach Thema und den situativen Spielräumen und Erfordernissen können kurze Partnerübungen, eine Reflexion in Kleingruppen, ein Stegreifspiel oder eine „Blitzlichtrunde“ sehr zum Gelingen einer Sequenz beitragen. Probieren Sie von Fall zu Fall immer wieder mal eine neue Methode oder ein didaktisches Modell aus und wenden Sie nicht zu viele Moderationstechniken auf einmal an. Der Umgang mit Gruppen will gelernt sein und erfordert Geduld mit der Entwicklung eigener Handlungsmöglichkeiten.

Medien: Der Einsatz von Medien kann bei der Gestaltung von LV-Beiträgen sehr zur Veranschaulichung und zum Verständnis der Inhalte beitragen. In allen Fällen sollte der Medieneinsatz auf Inhalte, Lernziele und Medienkompetenzen abgestimmt sein. Machen Sie sich in jedem Fall rechtzeitig vor dem Präsentationstermin mit der Technik vertraut und überprüfen Sie vor Beginn der Veranstaltung die Verfügbarkeit der Mittel. Zu den gängigen Hilfsmitteln zählen Overheadprojektor, Flipchart, PowerPoint-Präsentationen sowie die Verwendung passender Dia-, Audio- oder Videosequenzen. In den meisten Fällen stehen heute Digitalprojektoren („Beamer“) zur Verfügung, die Daten aus verschiedenen Ausgabegeräten (Computer, DVD-Player, Videorekorder etc.) in vergrößerter Form auf eine Projektionsfläche projizieren können. Wie Overheadprojektoren, so sind auch Digitalprojektoren bestens geeignet, die ZuhörerInnen zu ermüden. Sie brauchen lediglich den Raum etwas zu verdunkeln, einen Schriftgrad unter 18 Pt zu wählen, 10 oder mehr einzelne Punkte auf eine Folie zu geben, auf Bilder gänzlich zu verzichten, weniger als 30 Sekunden Zeit zum Lesen einer Folie zu lassen und möglichst leise zu sprechen – und Sie werden sehen, dass auch ohne Fortbildung in Hypnose die Induktion von Trancezuständen möglich ist. Umgekehrt lassen sich sowohl mit konventionellen Folien als auch mit PowerPoint-Präsentationen flexible und kreative Präsentationen gestalten, an die sich die ZuhörerInnen lange erinnern. Zum spontanen Skizzieren von Gedankengängen sowie zur Darstellung von Entwicklungen, Zusammenhängen oder Abläufen eignen sich Flipchart und Tafel weiterhin bestens. Achten Sie dabei auf eine gut leserliche Schrift und beschränken Sie die Darstellungen auf zentrale Schlüsselbegriffe, Ausdrücke oder Skizzen.

Feedback: Holen Sie sich möglichst direkt im Anschluss an Ihren Beitrag Rückmeldungen: Wie haben die KollegInnen Ihre Darstellungen und Interventionen wahrgenommen? Was war für sie hilfreich, was störend und wo sehen sie Verbesserungsmöglichkeiten? Auch das Geben und Nehmen von Feedback will gelernt sein. Wenn sich die Beteiligten wechselseitig über ihre Wahrnehmungen, Gefühle und Bedürfnisse informieren, dann lassen sich unnötige Reibungsverluste vermeiden und lebendige Lernprozesse befördern.

Insgesamt wollen wir Sie mit diesen Hinweisen dazu ermutigen, die vielen Gelegenheiten für Beiträge in Lehrveranstaltungen als Chance zur Entwicklung Ihrer Kompetenzen in den Bereichen Präsentieren und Moderieren zu nutzen. Gehen Sie dabei schrittweise vor und bleiben Sie gnädig mit sich selbst, wenn ein Experiment nicht auf Anhieb den gewünschten Erfolg bringt. Im Laufe der Semester werden Sie an Sicherheit und Flexibilität gewinnen und entsprechende Erfordernisse auch in beruflichen Zusammenhängen zunehmend souveräner bewältigen.

9. Geschlechtergerechter Sprachgebrauch

Eva Fleischer

Im Anschluss an den Vertrag von Amsterdam (1997) auf EU-Ebene und diverse Ministerratsbeschlüsse (2000, 2002, 2004) in Österreich gibt es eine Verpflichtung zu Gender Mainstreaming, die auch die Sprache betrifft. Es reicht nicht, dass „aus Gründen der Ästhetik“ weiterhin von „Studenten“ und „Autoren“ geschrieben wird und eine kleine Notiz am Anfang des Textes darauf hinweist, dass Frauen selbstverständlich mitgemeint seien. Geschlechtergerechter Sprachgebrauch bedeutet, beide Geschlechter sichtbar zu machen, wo von beiden Geschlechtern die Rede ist, dies heißt praktisch, vor allem Frauen explizit zu benennen (vgl. Bundeskanzleramt 1997).

Welche Möglichkeiten habe ich, geschlechtergerecht zu formulieren?

Sichtbarmachung - Strategien Um Frauen sichtbar zu machen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die eine ist das Splitting (Wörter werden geschlechtergerecht „gesplittet“), die andere ist die Feminisierung (Frauen werden als Allgemeinheit genommen, sie werden zu den Stellvertreterinnen der Männer, d.h. es wird grundsätzlich „weiblich“ formuliert).

Splitting - Formen

  • Paarform: Studentinnen und Studenten, Patientin bzw. Patient
  • Schrägstrich: Ärztin / Arzt
  • Großes I: StudentInnen, TischlerIn

Bei der vollen Paarform werden beide Geschlechter ausdrücklich benannt und durch „und“, „oder“, „bzw.“ verbunden. Dabei gilt das Titanicprinzip, d.h. dass Frauen zuerst genannt werden sollen. Die Doppelform ist besonders für Kontexte geeignet, in denen Frauen bisher nicht vorkamen, nur Männer entsprechende Funktionen innehatten. Das macht die Paarform neben Gesetzestexten auch für wissenschaftliche Texte sinnvoll, auch wenn dadurch der Text länger wird. Unpersönliche Fürwörter wie „jemand, niemand, keiner“ können gesplittet werden.

Statt: Jemand, der noch nie einen Text geschrieben hat, wird dieses Problem nicht kennen. Jemand, der oder die noch nie einen wissenschaftlichen Text geschrieben hat, … Statt: Keiner hat sich damit beschäftigt. Keine und keiner hat sich damit beschäftigt.

Das Wort „man“ löst/löste heftige Debatten aus. Um der männlichen Konnotation (Bedeutungszuschreibung) des „man“ zu entgehen, entwickelte sich die Alternativform „frau“, die insbesondere in reinen Frauenkontexten sinnvoll ist (z. B. Bei der Geburt ist frau auf die Unterstützung der Hebamme angewiesen). Es findet sich auch die Verwendung als Paarform (z. B. Man bzw. frau soll sich eine Heirat gut überlegen). Dieses neue Wort stößt oft auf Widerstand, den ich mir durch folgende Methoden ersparen kann:

  • Passivkonstruktionen
  • direkte Anrede verwenden
  • „wir“ oder „ich“ statt man verwenden
  • so konkret wie möglich formulieren (ebd. 52ff).

Schrägstriche trennen Wörter und ihre Artikel, sie können auch innerhalb eines Wortes gebraucht werden. Sie sparen zwar Schriftzeichen, lassen aber Frauen zu Anhängseln (Polizist/in) werden. Zudem wirken Texte schwer lesbar, für wissenschaftliche Texte eignen sich Schrägstriche kaum. Wenn Sie Schrägstriche anwenden, achten Sie bitte auf zwei Dinge: Einerseits sollte das Wort auch ohne Schrägstrich einen Sinn ergeben – mittels Weglassprobe (die / der Ärzt/in spricht inkorrekt, besser: die Ärztin / der Arzt), andererseits sollte pro Wort nicht mehr als ein Schrägstrich verwendet werden (de/s/r Bewerber/s/in verhält sich nicht korrekt, besser: der Bewerberin / des Bewerbers).

Das große I hat viele Vorteile: Es ist u.a. einfach anzuwenden, kurz und praktisch, weckt die Aufmerksamkeit, fördert die Lesbarkeit und ertönt im ausgesprochenen Wort auch hörbar. Daher eignet es sich besonders für wissenschaftliche Texte. Ebenfalls möglich, aber bisher selten praktiziert, ist die Groß-E/R/N-Schreibung (StudierendeR), die zudem bei Artikeln und Pronomina angewendet werden kann (jedeR, eineR). Für weiterführende Texte gibt es im Singular Probleme, da wieder in der Paarform weiterformuliert werden müsste, was die Texte unübersichtlich macht (EinE StudierendeR, die bzw. der zu spät inskribiert …). Da dies im Plural kein Problem ist, empfiehlt sich eine Übertragung in den Plural bzw. andere Umformulierungen.

Feminisierung Bei dieser Methode wird die weibliche Form als Stellvertreterin gesetzt, vor allem wenn die Gruppen aus Männern und Frauen bestehen, wenn die Zusammensetzung der Gruppen nicht bekannt oder unwichtig ist. Frauen werden bevorzugt behandelt – als eine Strategie gegen Diskriminierung – Männer sind „mitgemeint“. Durch eine entsprechende „Legaldefinition“ (Legitimierung) am Beginn des Textes kann Konflikten vorgebeugt werden. Die Feminisierung kann aber auch eingesetzt werden, wenn die Gruppen, um die es sich handelt, frauendominiert sind (Karenzgeldbezieherinnen). Dabei ist im Schreiben eine Gratwanderung zwischen dem Darstellen der tatsächlichen weiblichen Repräsentanz (Frauen leisten die Hauptarbeit in der Erziehung) und dem Bekräftigen geschlechtsspezifischer Stereotypen (Frauen sollen die Hauptarbeit in der Erziehung leisten) zu bewältigen (vgl. ebd., S. 69 ff).

Geschlechtsindifferente Formulierungen Geschlechtsindifferente Formulierungen sollten das Mittel zweiter Wahl sein, etwa wenn ich meinen Text abwechslungsreicher gestalten will, da bei ihnen die Gefahr besteht, dass zum einen Unterschiede zwischen den Geschlechtern unsichtbar werden, zum anderen die neutrale Form aufgrund der geschlechterstereotypen Interpretation doch wieder „männlich“ gelesen wird. Vor allem sollten sie niemals durchgängig in einem Text verwendet werden, immer in Kombination mit Strategien der Sichtbarmachung. Welche Arten der geschlechtsindifferenten Formulierung gibt es?

  • „geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen“ (im Singular: Person, Mensch, Individuum, Schreibkraft, Haushaltshilfe, Betreuungsperson, im Plural: die Leute, die Verantwortlichen, die Studierenden, die Betroffenen)
  • „Institutions-, Kollektiv- und Funktionsbeschreibungen“ (die Leitung, die Direktion, das Gericht)
  • Umformulierungen z. B. mit Wer-Konstruktionen (Wer täglich ein Glas Wein trinkt, ist nicht alkoholkrank), Passivkonstruktionen (Der Text ist selber zu schreiben), direkter Anrede (Bitte schreiben Sie den Text selber) oder Relativsätzen mit „diejenigen, die“, „alle, die“ (Alle, die einen Schein wollen, sollen einen Text schreiben) (ebd., S. 75 ff).

Grundsätzliche Überlegungen

Zwei grundsätzliche Tipps zur Umsetzung

  • zuerst ein Konzept: schon vor dem Schreiben überlegen, welche Methode der geschlechtergerechten Formulierung ich verwenden will, und diese Methode stimmig anwenden
  • Kontrolle beim Korrekturlesen: Sind meine Personenbezeichnungen geschlechtergerecht und sind sie korrekt verwendet?

10. Literaturverzeichnis und weiterführende Hinweise

Verwendete Literatur

Brauner, Detlef Jürgen & Vollmer, Hans-Ulrich (2004): Erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten. Seminararbeit – Diplomarbeit – Doktorarbeit. Sternenfels: Verl. Wissenschaft & Praxis. Brink, Alfred (2004): Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein prozessorientierter Leitfaden zur Erstellung von Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten in acht Lerneinheiten. München und Wien: Oldenbourg.

Bundeskanzleramt Abt. VII/1 (Hg.): Anleitungen zu geschlechtergerechtem Sprachgebrauch. Schriftenreihe der Frauenministerin. Band 13, Juli 1997. Wien 1997.

Bünting, Karl-Dieter; Bitterlich, Axel & Pospiech, Ulrike (2002): Schreiben im Studium: mit Erfolg. Ein Leitfaden. Berlin: Cornelsen Scriptor.

Denz, Hermann & Mayer, Horst O. (2001): Methoden der quantitativen Sozialforschung. In: Hug, Theo (Hrsg.): Wie kommt Wissenschaft zu Wissen? Einführung in die Forschungsmethodik und Forschungspraxis. Bd. 2. Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren, S. 75-105.

Eco, Umberto (1986): Nachschrift zum ‚Namen der Rose‘. München, Wien: Hanser.

Eco, Umberto (1993): Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. 6. Aufl. Heidelberg: Müller. (Original erschienen 1977: Come si fa una tesi di laurea).

Ehlich, Konrad & Steets, Angelika (2000): Schreiben im Studium. In: Einsichten. Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2, S. 47-50.

Franck, Norbert (2004): Handbuch wissenschaftliches Arbeiten. Frankfurt am Main: Fischer.

Garz, Detlef & Kraimer Klaus (Hrsg.) (1991): Qualitativ-empirische Sozialforschung. Konzepte, Methoden, Analysen. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Harvard Referencing (2004). A Guide to Harvard Referencing (1996-2005). Verfügbar unter: http://www.leedsmet.ac.uk/lskills/open/sfl/content/harvard/index.html ) (Stand 2006-02-20).

Hug, Theo (2001): Erhebung und Auswertung empirischer Daten – eine Skizze für AnfängerInnen und leicht Fortgeschrittene. In: Hug, Theo (Hrsg.): Wie kommt Wissenschaft zu Wissen? Einführung in die Forschungsmethodik und Forschungspraxis. Bd. 2. Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren, S. 11-29.

Hierdeis, Helmwart & Hug, Theo (Hrsg.) (1997): Taschenbuch der Pädagogik. 4 Bände. Baltmannsweiler: Schneider–Verlag Hohengehren (erschienen auch als: Hierdeis, Helmwart & Hug, Theo (Hrsg.): CD–ROM der Pädagogik).

Junne, Gerd (1993): Kritisches Studium der Sozialwissenschaften. Eine Einführung in Arbeitstechniken. Stuttgart u.a.: Kohlhammer.

Karmasin, Matthias & Ribing, Rainer (2002): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. 3. überarb. Aufl. Wien: Facultas.

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Riekert, Wolf-Fritz (o.J.): Eine Dokumentvorlage für Diplomarbeiten und andere wissenschaftliche Arbeiten. Verfügbar unter: http://v.hdm-stuttgart.de/~riekert/theses/ (Stand 2006-02-20).

Rückriem, Georg; Stary, Joachim & Franck, Norbert (1997): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. Paderborn, Wien: Schöningh.

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DissOnline – Digitale Dissertationen im Internet. Verfügbar unter: http://www.dissonline.de/ (Stand 2006-02-20).

DissOnline – Mailing-Liste. Verfügbar unter http://www.ddb.de/professionell/dissonline_mail.htm (Stand 2006-02-20).

Google scholar. Verfügbar unter: http://scholar.google.com (Stand 2006-02-20).

Hinweise für das Verfassen eines Exposes für wissenschaftliche Arbeiten. Verfügbar unter: http://www.personal.euv-frankfurt-o.de/de/personal/lehre/diplomarbeiten/expose.htm (Stand 2006-02-20).

Scirus. Verfügbar unter: http://www.scirus.org (Stand 2006-02-20).

Subito (Subito ist ein schneller und unkomplizierter Dienst der Bibliotheken, der den Kunden Kopien von Zeitschriftenaufsätzen liefert und die Ausleihe von Büchern unterstützt). Verfügbar unter: http://www.subito-doc.de/ (Stand 2006-02-20).

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Weiterführende Hinweise

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Becker, Howard S. (2000): Die Kunst des professionellen Schreibens. Ein Leitfaden für die Geistes- und Sozialwissenschaften. Frankfurt: Campus-Verl. (Reihe Campus Studium 1085).

Eco, Umberto (2002): Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. 9. Aufl. Heidelberg: Müller. (Original erschienen 1977: Come si fa una tesi di laurea).

Franck, Norbert (2004): Handbuch wissenschaftliches Arbeiten. Frankfurt am Main: Fischer.

Franck, Norbert & Stary, Joachim (2003): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Paderborn, Wien u.a.: Schöningh.

Haefner, Klaus (2000): Gewinnung und Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse. München, Wien: Oldenbourg.

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Jele, Harald (2003): Wissenschaftliches Arbeiten. München und Wien: Oldenbourg.

Koschorreck, Michael & Suppanz, Frank (2003): Geisteswissenschaften studieren mit dem Computer. Stuttgart: Reclam.

Kruse, Otto (Hrsg.): Handbuch Studieren. Von der Einschreibung bis zum Examen. Frankfurt/Main: Campus Verlag.

Lück, Wolfgang (2000): Technik des wissenschaftlichen Arbeitens. Seminararbeit, Diplomarbeit, Dissertation. München und Wien: Oldenbourg.

Rieder, Karl (2002): Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung. Wien: öbv & hpt.

Rost, Friedrich (1999): Lern- und Arbeitstechniken für pädagogische Studiengänge. 2. Aufl. Opladen: Leske + Budrich.

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Recherchieren, Beschaffen und Archivieren von Literatur

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Grund, Uwe & Heinen, Armin (1996): Wie benutze ich eine Bibliothek. 2. Aufl. München: Fink (= UTB 1834).

Hölscher, Christoph (2002): Die Rolle des Wissens im Internet. Gezielt suchen und kompetent auswählen. Stutt-gart: Klett-Cotta.

Literaturverwaltung EndNote. Verfügbar unter: http://www.endote.com/ (Stand 2006-02-20).

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Literaturverwaltung litw3. Verfügbar unter: http://litw3.uni-muenster.de/ (Stand 2006-02-20).

Literaturverwaltung MyLibrary. Verfügbar unter: http://bases.uibk.ac.at (Stand 2006-02-20).

Literaturverwaltung RefWorks. Verfügbar unter: http://www.refworks.com/productinfo.shtml (Stand 2006-02-20).

Universitätsbibliothek Bochum. Fachinformation Pädagogik - Virtuelle Bibliotheken, Portale, Suchdienste. Verfügbar unter: http://www.ub.ruhr-uni-bochum.de/DigiBib/Fachinfo/Paed_Virtbib.htm (Stand 2006-02-20).

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Schreiben

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Der Schreibtrainer. Wissenschaftliches und berufliches Schreiben. Verfügbar unter http://www.uni-essen.de/schreibwerkstatt/trainer/index.html (Stand 2006-02-20).

Deutsche Gesellschaft für Psychologie (1997): Richtlinien zur Manuskriptgestaltung. 2. Aufl. Göttingen u.a.: Hogrefe.

Deutsches Institut für Normung (2000): Präsentationstechnik für Dissertationen und wissenschaftliche Arbeiten. DIN-Normen. 2. Aufl. Berlin, Wien, Zürich: Beuth.

Ehlich, Konrad & Steets, Angelika (Hrsg.) (2003): Wissenschaftlich schreiben – lehren und lernen. Berlin, New York: Gruyter.

Eichler, Margrit (1994): Sieben Weisen, den Sexismus zu erkennen. Eine theoretische Überlegung mit einem praktischen Fragebogen. In: Das Argument, 207., S. 941–954.

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2002): Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh Verlag.

Franck, Norbert (2003): Lust statt Last. Wissenschaftliche Texte schreiben. In: Franck, Norbert & Stary, Joachim (Hrsg.): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. 11. Aufl. Paderborn u.a.: Schöningh, S. 117-178.

Gesing, Fritz (2004): Kreativ Schreiben. Köln: DuMont.

Krempl, Stefan; Schröder, Hartmut & Zimmer, Dagmar (1998): Wie schreibe ich eine Seminararbeit. Tips zum Erstellen wissenschaftlicher Arbeiten. Verfügbar unter: http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/WS96_97/Semarbeit/Seminararbeit.html#top (Stand 2006-02-20).

Kropp,. Waldemar & Huber, Alfred (2006): Studienarbeiten interaktiv. Erfolgreich wissenschaftlich denken, schreiben, präsentieren. Mit CD-ROM. Berlin: Schmidt.


1)
Methode kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Weg zu …“
2)
Empirisch bedeutet erfahrungsbezogen, „Daten“ kommt von „Datum“, lat. das Gegebene.
3)
In kompilatorischen Arbeiten werden inhaltliche Bausteine aus verschiedenen Quellen gesammelt und dargestellt, die Ansprüche wissenschaftlichen Arbeitens sind dabei relativ bescheiden.
4)
4
6)
Zum Zeitpunkt der Drucklegung der Handreichung waren im Bakkalaureats-Studiengang Erziehungswissenschaft zwei Bakkalaureatsarbeiten vorgesehen (Richtwerte: ca. 25-30 Seiten für die erste und ca. 30-40 Seiten für die zweite Bakkalaureatsarbeit). Die Angaben in der Handreichung geben eine grobe Orientierung; im Detail sind die geltenden gesetzlichen Bestimmungen und die Angaben der Fakultätsstudienleitung sowie der Studienbeauftragten verbindlich.
8)
Für diesen Zweck und auch für andere Studienerfordernisse eignet sich bspw. http://elgg.net
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